ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2008Cholera in Simbabwe: Politischer und medizinischer Notstand

THEMEN DER ZEIT

Cholera in Simbabwe: Politischer und medizinischer Notstand

Dtsch Arztebl 2008; 105(51-52): A-2756 / B-2335 / C-2247

Schuster, Christina

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Kein Zugang zu sauberem Wasser: Wie diese Kinder müssen viele Simbabwer aus verseuchten Pfützen trinken. Foto: AP
Kein Zugang zu sauberem Wasser: Wie diese Kinder müssen viele Simbabwer aus verseuchten Pfützen trinken. Foto: AP
In Simbabwe breitet sich eine Choleraepidemie aus. Nach jahrelanger Misswirtschaft steht das Land vor dem Zusammenbruch. Es droht eine humanitäre Katastrophe.

Die Cholera wütet in Simbabwe. Rund 780 Menschen sind bereits gestorben, mehr als 16 000 haben sich infiziert. Das geht aus den Zahlen des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) hervor. Gleichzeitig warnte die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) vor einem weiteren Anstieg der Zahl der Cholerafälle. Die Zahl der Erkrankten könne im schlimmsten Fall auf bis zu 60 000 steigen, sagte WHO-Sprecherin Fadela Chaib. Das OCHA-Büro in Genf erklärte, dass mittlerweile alle Regionen des Landes betroffen seien. Simbabwe befinde sich in der schlimmsten Choleraepidemie seiner Geschichte.

Inzwischen hat sich die Krankheit auch auf die Nachbarländer ausgebreitet. Südafrika hat für die Region Limpopo den Notstand ausgerufen, nachdem mehrere Tausend Simbabwer dorthin geflohen waren; einige von ihnen waren bereits infiziert. In Südafrika sind nun mehr als 650 Menschen an Cholera erkrankt, zehn Menschen starben. Einem WHO-Bericht zufolge wurden aus den Nachbarländern Mosambik und Botswana ebenfalls Cholerafälle gemeldet.

Unter der Diktatur von Staatschef Robert Mugabe sind Simbabwes Wirtschaft und auch das öffentliche Gesundheitssystem zusammengebrochen. Die Infrastruktur ist in einem desolaten Zustand, vor allem in den ländlichen Gebieten. Seit den Wahlen hat sich die Situation noch weiter verschärft – das Land befindet sich in einem politischen Stillstand. Mugabe hat zwar ein Abkommen zur Machtteilung mit dem Oppositionsführer Morgan Tsvangirai unterzeichnet, dieses allerdings noch nicht umgesetzt. Erst Anfang Dezember hatte die Regierung den nationalen Notstand ausgerufen und um internationale Hilfe gebeten.

Die britische Rundfunkanstalt BBC hat vor einigen Tagen berichtet, Mugabe habe erklärt, in seinem Land gebe es keine Cholera mehr. Diese Äußerung hatte weltweite Empörung hervorgerufen. Regierungssprecher George Charamba beschuldigte daraufhin die westlichen Medien, die Worte Mugabes absichtlich entstellt zu haben.

Schon im September hatte „Ärzte ohne Grenzen“ über die ersten Cholerafälle berichtet. Die Hilfsorganisation war vor Ort in mehreren Projekten tätig, um Aidskranke zu behandeln und die Bevölkerung über HIV aufzuklären. Die Choleraepidemie war in Chitungwiza ausgebrochen, einer Stadt, die in den Achtzigerjahren als ein Sammelbecken für Menschen entstanden war, die aus ärmeren Gebieten nach Harare gezogen waren, dort aber keine dauerhafte Bleibe fanden. Zudem ließ Mugabe 2005 illegale Slumsiedlungen in der Hauptstadt abreißen; Tausende Menschen waren ohne Obdach. Seit Ende letzten Jahres hatten die Bewohner häufig kein fließendes Wasser, sodass die Toilettenspülungen nicht funktionierten. Verstopfte Abwasserrohre brachen und verunreinigten das Trinkwasser – einer der Hauptgründe für die Übertragung dieser Krankheit.

Hilfe erreicht die Provinzennur schwer
Auch in den Provinzen des Landes gibt es seit Monaten kein sauberes Trinkwasser mehr. Die Regierung habe kein Geld für den Kauf von Chemikalien, die für die Reinigung nötig seien, schrieb die staatliche Zeitung „The Sunday Mail“.

„Die Menschen auf dem Land trinken das Wasser aus den verseuchten Teichen und Flüssen“, berichtet Peter Hinn, Koordinator der Welthungerhilfe für Simbabwe. Angesichts der Regenzeit erwartet Hinn sogar noch eine Verschlechterung der Situation.
Christina Schuster
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema