ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2009Universität Bonn: Erstes Institut zur Patientensicherheit

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Universität Bonn: Erstes Institut zur Patientensicherheit

Merten, Martina

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LNSLNS Erstmals in Deutschland geht ein eigenes Institut den Ursachen von Fehlern auf den Grund.

Als Prof. Dr. med. Matthias Schrappe und Dr. med. Günter Jonitz Mitte 2005 das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) ins Leben riefen, fand der Zusammenschluss aus Ärzten, Pflegern, Patienten und Wissenschaftlern zunächst wenig Gehör. Weder Schrappe, der dem Bündnis vorsteht, noch sein Stellvertreter, der Berliner Ärztekammerpräsident Jonitz, hatten damals zu hoffen gewagt, dass das Bündnis gemeinsam mit der Universität Bonn nur vier Jahre später das bundesweit erste Institut für Patientensicherheit gründen würde.

Ministerium fördert
Möglich wurde dies, nachdem Schrappe mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt und deren Mitarbeiter Franz Knieps zusammengesessen hatte. Das Ministerium zählt zu den wichtigsten Fördereren des APS. „Am Ende unseres Gesprächs stand das Bekenntnis, eine Forschungsstelle für Patientensicherheit einzurichten“, erzählt Schrappe. Die Idee nahm zügig Gestalt an. Fünf Universitäten in Deutschland bekundeten Interesse. Letztlich machte die Medizinische Fakultät der Universität Bonn das Rennen. Das Institut Patientensicherheit ist an diese angedockt, derzeit entsteht ein eigener Stiftungslehrstuhl. Wer diesen leiten wird, entscheidet sich in wenigen Wochen. Das APS finanziert das Institut auf fünf Jahre mit jährlich 500 000 Euro.

Bis Ende 2008 bestand das Aktionsbündnis lediglich aus einer zweiköpfigen Geschäftsstelle an der Privatuniversität Witten/Herdecke. Der dreiköpfige Vorstand arbeitete ausschließlich ehrenamtlich. Laut Schrappe zeichnete sich aber bereits 2007 ab, dass die wachsenden Aufgaben und Anforderungen an das Bündnis den Rahmen der Ehrenamtlichkeit sprengen. In der Tat geben die inzwischen mehr als 200 Mitglieder nicht nur einmal jährlich eine „Agenda Patientensicherheit“ heraus – ein Bericht, der Auskunft darüber gibt, wie viele (Beinahe-)Fehler internationalen Studien zufolge vorkommen. Das APS hat zudem Arbeitsgruppen eingerichtet, deren Teilnehmer sich mit Eingriffsverwechslungen, Fehlermeldesystemen in Krankenhäusern, Medikationsfehlern und Behandlungsfehlerregistern auseinandersetzen. Darüber hinaus veranstalteten die Mitglieder des Aktionsbündnisses innerhalb der vergangenen vier Jahre Konferenzen, mit denen sie die Ärzteschaft für die Thematik zu sensibilisieren versuchten.

Mehr Forschung nötig Der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn hält Patientensicherheit „für eins der absolut wichtigen Gebiete“. Es sei aber auch eins derjenigen Gebiete, unterstreicht Prof. Dr. med. Thomas Klockgether, die mehr Forschung benötigten. Diese Forschung steht mit dem Start des Instituts unmittelbar bevor. Die vier wesentlichen Bereiche hat das APS Schrappe zufolge bereits festgelegt: Es wird um die Häufigkeit von (Beinahe-)Fehlern, um Sicherheit und deren Indikatoren, um die Evaluation der bestehenden Handlungsempfehlungen und darum gehen, ob die Sicherheitskultur an Kliniken messbar ist.
Martina Merten
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