ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2009Honorarreform: Zu geringe Flatrate
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Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Herr Dr. Köhler, stellt in seinem Kommentar fest, der neue EBM schaffe „erstmals seit 20 Jahren eine Gebührenordnung mit festen Preisen für klar definierte Leistungen“, „die unerträgliche Budgetierung, die mit dem Behandlungsbedarf aber auch gar nichts zu tun hatte, sei abgeschafft“, durch den „historischen Honorarzuwachs von mehr als zehn Prozent haben sich die Risiken für die Vertragsärzte und -psychotherapeuten entscheidend minimiert“. Fakt ist, dass der „betriebswirtschaftlich kalkulierte“ Punktwert des EBM 2000plus von 5,11 Cent zunächst um 31,5 Prozent auf 3,5 Cent gekürzt wurde . . . Die Regelleistungsvolumina sind zum Teil so gering bemessen, dass diese in den fachärztlichen Praxen zum großen Teil bereits beim allerersten Patientenkontakt nicht ausreichen, um alle Leistungen zu vergüten. Eine „Flatrate“ für die dreimonatige fachärztliche Behandlung eines Orthopäden für z. B. 30,11 Euro, eines Augenarztes für 21,42 Euro oder gar eines Gynäkologen für 15,96 Euro (Zahlen KV Nordrhein) als „historischen Honorarzuwachs“ zu feiern, der „die Risiken für die Vertragsärzte und -psychotherapeuten entscheidend minimiere“, stellt einen zynischen Realitätsverlust dar, der zur vitalen Bedrohung der ambulanten fachärztlichen Versorgung geworden ist. Zu glauben, für die Hälfte der Anfahrtspauschale eines Schlüsseldienstes einen Patienten ein
Vierteljahr emphatisch und leitliniengerecht versorgen zu können, ist grotesk. Die Folgen werden eine drastische Verschlechterung der Versorgungsintensität und -qualität sein, Behandlungen, die sich auf das unbedingt Notwendige beschränken, eine Zunahme von Krankenhauseinweisungen bei betreuungsintensiven Patienten, aber auch eine Vielzahl von Praxisinsolvenzen.

Die ärztliche Basis ruft immer lauter „Genug!“, erlebt sie doch Ankündigungen sich rasch ablösender Reformen und deren Realität immer existenzbedrohender. Die zunehmende Anzahl sich in Deutschland etablierender ärztlicher Genossenschaften, die bereit stehen, im Wege der Direktverträge die KVen abzulösen, sollte Herrn Köhler nachdenklich stimmen.
Dr. Ulrich M. Reinecke, Düsseldorfer Straße 80, 45481 Mülheim

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