ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2009Interview: Mit Briefen geschmückter Wunschbaum

KULTUR

Interview: Mit Briefen geschmückter Wunschbaum

Hempel, Ulrike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Kennen Sie einige Kinder persönlich, deren Wunschbriefe am Baum hängen? Fotos: Susanne Hortung
Kennen Sie einige Kinder persönlich, deren Wunschbriefe am Baum hängen? Fotos: Susanne Hortung
Die Schauspielerin Anna Thalbach, Schirmherrin vom „Giving Tree 2008“, engagiert sich zugunsten der Björn-Schulz-Stiftung.

Schauspielerin Anna Thalbach hat die Schirmherrschaft über die letztjährige Wunschbaum-Aktion des Ritz-Carlton-Hotels, Berlin, übernommen. Zugunsten der Björn-Schulz-Stiftung für krebs- und chronisch kranke Kinder wird in der Lobby Lounge ein mit etwa 80 Briefen geschmückter Weihnachtsbaum aufgestellt. Die 1996 gegründete Stiftung ist nach dem Sohn des Gründers, Jürgen Schulz, benannt, der mit sieben Jahren an Leukämie starb. Jeder Besucher oder Hotelgast kann sich eines Briefs und somit eines Kinderwunsches annehmen und diesen erfüllen. Anna Thalbach gab am 27. November in Anwesenheit von Jürgen Schulz, Vorstand der Björn-Schulz-Stiftung, und Thorsten Ries, Generaldirektor des Ritz-Carlton-Hotels in Berlin, den Wunschbaum für die Öffentlichkeit frei. Kurz vor Weihnachten wurden den Kindern und deren Familien die Geschenke im Rahmen einer festlichen Bescherung übergeben.

Was hat Sie bewogen, die Schirmherrschaft über den Wunschbaum zu übernehmen?
Thalbach: Das liegt vor allem daran, dass ich den Kindern im Hospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow regelmäßig vorlese. Das mache ich jetzt schon seit etwa einem Jahr, habe es bisher aber nicht öffentlich betont. Für mich ist das Vorlesen keine große Sache, ich mache das wirklich sehr gern. Die Björn-Schulz-Stiftung ist auf jegliche Hilfe und Unterstützung angewiesen, um mit dem Projekt Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin, den ehrenamtlichen Familienbegleitern und dem Nachsorgehaus Rosemarie Fuchs an der Nordsee krebskranken, unheilbar und schwerstkranken Kindern und ihren Familien helfen zu können. Ich bringe mich entsprechend meiner Fähigkeiten ein: Ich kann gut vorlesen, also lese ich vor, und ich liebe Kinder, also lese ich Kindern vor.

Wie haben Sie als Kind Weihnachten gefeiert?
Thalbach: Bei uns war Weihnachten immer ein tolles Fest. In meiner Familie wurde zu Weihnachten auch nie gestritten. Das kenne ich nur aus Film und Fernsehen. Meine Mutter ist eine sehr großzügige Frau. Ich habe meistens das bekommen, was ich mir gewünscht hatte. Aber zugegeben, ich hatte auch nie extrem ausgefallene Wünsche.

Anna Thalbach, die 2001 für ihre Rolle in dem Tatort „Kindstod“ mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt wurde, konzentriert sich als Schauspielerin gleichermaßen auf Theater, Film und Fernsehen.
Anna Thalbach, die 2001 für ihre Rolle in dem Tatort „Kindstod“ mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt wurde, konzentriert sich als Schauspielerin gleichermaßen auf Theater, Film und Fernsehen.
Ist die Giving-Tree-Aktion eine, die den kranken Kindern wirklich Freude macht?

Thalbach: Aber ja, sonst würde ich mich nicht engagieren. Ich habe sogar ganz gezielt nach etwas gesucht, wovon ich auch sicher weiß, dass es direkt bei den Kindern ankommt. Heute habe ich den Wunsch von Lukas gezogen. Er wünscht sich eine Lego-Bionicle-Figur. Und die bekommt er auch von mir. Toll ist auch der Wunsch der 17-jährigen Julia. Sie möchte einen Hertha-Toaster aus dem Fanshop. Hoffentlich zieht den Brief kein Schalke-Fan!

Kennen Sie einige Kinder persönlich, deren Wunschbriefe am Baum hängen?

Thalbach: Ja schon, aber ich kenne nicht alle Namen der Kinder. Wenn ich zum Vorlesen ins Kinderhospiz komme, dann sind manche leider auch nicht ansprechbar. Ihre Krankheit ist schon in einem sehr fortgeschrittenen Stadium. Aber die Sonnenhof-Mitarbeiter sagen mir, dass es den Kindern gut gefällt, wenn ich vorlese. Ich bringe vor allem Märchen mit. Wenn die Kinder gut drauf sind, dann hänge ich noch ein Märchen dran. Geht es ihnen eher schlecht, dann lese ich eins weniger vor.

Ist es für Sie auch belastend, unheilbar kranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu besuchen?
Thalbach: Sicher berührt mich das. Man darf die Gefühle aber nicht in eine Tristesse abgleiten lassen. Ich versuche, eher ein gesundes Mitgefühl zu haben. Die Kinder fügen sich ihrem Schicksal mit erstaunlicher Stärke. Sie gehen mit ihren schweren Erkrankungen besser um als manche Leute um sie herum.
Die Fragen stellte Ulrike Hempel.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema