ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2009Idiopathische Thrombozytopenische Purpura: Romiplostim als Langzeittherapie

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Idiopathische Thrombozytopenische Purpura: Romiplostim als Langzeittherapie

Siegmund-Schultze, Nicola

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Einblutungen in die Haut bei einem Patienten mit thrombozytopenischer Purpura. Foto: M.A. Ansary/SPL/Agentur Focus
Einblutungen in die Haut bei einem Patienten mit thrombozytopenischer Purpura. Foto: M.A. Ansary/SPL/Agentur Focus
Thrombopoetinagonist erhöht Plättchenzahl über viele Jahre und erweist sich als sicher.

Patienten, die an idiopathischer thrombozytopenischer Purpura (ITP) leiden, einem Plättchenmangel aufgrund von Autoimmunreaktionen, haben ein erhöhtes Risiko für einen vorzeitigen Tod: Die krankheitsbedingte Sterblichkeit aufgrund von Blutungen (auch zerebraler) beträgt zehn Prozent für therapierefraktäre Patienten und zwei Prozent für Patienten, die auf eine Behandlung ansprechen, aber unerwünschten Langzeiteffekten erliegen. „Der Bedarf an neuen Behandlungen, die dauerhaft wirksam und sicher sind, ist groß“, sagte Prof. Dr. med. David Kuter (Boston, USA) bei der Jahrestagung der American Society of Hematology in San Francisco/USA. Für Patienten, bei denen die herkömmlichen Behandlungen nicht ausreichend wirkten oder kontraindiziert seien, könne das Fusionsprotein Romiplostim eine gute Option sein, meinte Kuter. Das Designerpeptid hat eine Domäne, die sich an den Thrombopoetin-rezeptor bindet und über dessen Aktivierung die Plättchenbildung anregt. Der zweite Baustein des Peptids ist der Fc-Teil eines Antikörpers. Er verlängert die Halbwertszeit des Peptids.

Romiplostim ist als Nplate® im August 2008 zur Langzeitbehandlung des Plättchenmangels von Erwachsenen mit chronischer ITP zugelassen, wenn Glucocorticoide, Immunglobuline oder die Splenektomie nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Ein Drittel der Patienten spreche gut auf die Behandlung mit Glucocorticoiden an, allerdings mit hohen Rückfallraten, erklärte Prof. Dr. med. Bertrand Godeau (Créteil, Frankreich). Bei etwa 70 Prozent der ITP-Kranken lasse sich mit Splenektomie ein gutes Therapieergebnis erzielen mit einer Rückfallquote von circa 15 Prozent. Allerdings erhöhe die Entfernung der Milz das Risiko für schwere Infektionen inklusive Sepsis und sei nicht allen Patienten zu empfehlen. Auf eine Therapie mit Anti-CD20-Antikörpern sprächen 30 bis 40 Prozent der Patienten an, ohne dass Langzeitdaten zu Wirksamkeit und Sicherheit vorlägen.

Kuter hat Daten der Zwischenanalyse einer offenen Extensionsstudie mit Romiplostim vorgestellt, die sich an zwei Phase-III-Untersuchungen anschloss. „Das primäre Ziel der noch laufenden Studie ist es, die Sicherheit bei der Langzeitbehandlung mit Romiplostim zu untersuchen“, betonte Kuter. Sekundäre Ziele seien, Ansprechraten in der Langzeittherapie zu erfassen und zu bestimmen, bei wie vielen Patienten eine medikamentöse ITP-Therapie abgesetzt oder die Dosis der Arzneimittel reduziert werden könne. 215 Patienten hatten zum Zeitpunkt der Analyse für durchschnittlich 76 Wochen (maximal: 204 Wochen) Romiplostim erhalten. Bis auf drei Patienten, denen das Medikament subkutan im jeweiligen Studienzentrum appliziert wurde, spritzten sich die Patienten das Mittel selbst (durchschnittlich vier bis fünf Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht subkutan, jeweils einmal pro Woche). Ziel der Romiplostim-Therapie ist eine Thrombozytenzahl von 50 bis 200 × 109 pro Liter Blut oder mindestens eine Verdoppelung der Blutplättchenzahl im Vergleich zum Ausgangswert.

Gut sieben von zehn Patienten erreichten das Behandlungsziel, davon 77 Prozent der Responder für mehr als zehn aufeinanderfolgende Wochen, 67 Prozent für mehr als 25, und 41 Prozent für mehr als 52 Wochen, 30 Prozent der Responder bereits nach der ersten Injektion. Die Hälfte der Patienten konnte andere Medikamente zur Therapie der ITP absetzen und 24 Prozent deren Dosis um mindestens 25 Prozent reduzieren. Die Blutungshäufigkeit nahm mit zunehmender Behandlungsdauer kontinuierlich ab: Nach der 24. Behandlungswoche sank die Rate der Grad-2-Blutungen auf unter zehn, und die der Grad-3-Blutungen auf unter fünf Prozent. Zu Thrombosen kam es bei drei Prozent, allerdings hatten alle Betroffenen schon vor Therapiebeginn ein erhöhtes Risiko. Die Ablagerung von Retikulin im Knochenmark wurde bei vier Prozent beobachtet ohne Progression zur Fibrose.

Sein Fazit: „Die Studie belegt, dass Romiplostim die Mehrzahl der Patienten für die meiste Zeit der Therapie vor klinisch relevanten Blutungen schützt, bei guter Verträglichkeit.“ Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelzulassungsbehörde hat für die Zulassung von Romiplostim zur Therapie der ITP votiert. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Amgen Media Briefing, 50th Annual Meeting of the American Society of Hematology vom 6. bis 9. Dezember 2008 in San Francisco/USA
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