ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2009Börsebius: Nach der Steuer ist vor der Steuer

GELDANLAGE

Börsebius: Nach der Steuer ist vor der Steuer

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Nun ist sie also mitten unter uns, die famose Abgeltungsteuer. Perdu sind von jetzt an jedwede steuerfreien Kursgewinne, es sei denn, der schlaue Anleger deckte sich noch rechtzeitig vor dem Jahreswechsel mit Aktien ein. Aber diese an sich gute Idee, „noch was für die Steuer zu tun“, wurde von der Finanzmarktkrise krass erschlagen. Soweit ich weiß, trauten sich nur ganz wenige, sich noch im Dezember die Chance auf spätere steuerfreie Kursgewinne zu erhalten.

Ganz schlimm sind gar diejenigen Investoren dran, die dem Werberummel zur Mitte des Jahres vertrauten und sich schon frühzeitig zum Kauf von Dachfonds verleiten ließen. Die sitzen heute bereits auf horrenden Verlusten und werden morgen wie übermorgen unter arg üppigen Dachfondskosten zu leiden haben, mit denen steuerfreie Kursgewinne möglicherweise erst am Sankt Nimmerleinstag zu erzielen sind.

Gleichwohl bringt das Klagen über die Vergangenheit wenig. Nach der Steuer ist schließlich vor der Steuer. Neues Jahr, neues Recht, neues Glück.

Keinesfalls sollte sich die Erkenntnis breit machen, dass die Abgeltungsteuer des Teufels sei. Es gibt seit dem 1. Januar 2009 auch klare Gewinner, die von der neuen Steuer durchaus profitieren: die Käufer von festverzinslichen Wertpapieren!

Bisher war es ja so, dass Rentenkäufern die Zinsabschlagsteuer einbehalten wurde, die dann noch mit der persönlichen Steuerschuld zu verrechnen war. Jetzt ist mit der Steuer von 25 Prozent plus Soli plus Kirchensteuer alles bezahlt, und in der Regel liegt diese Summe deutlich unter dem, was nach altem Recht zu entrichten war.

So gesehen wird für den Anleger die Direktanlage in festverzinslichen Wertpapieren immer attraktiver. Dabei kommt es aber trotzdem vor allem darauf an, nicht auf die maximal erzielbare Rendite, sondern vor allem auf die Sicherheit der Anlage zu schauen. Es gibt derzeit festverzinsliche Wertpapiere, deren Kurs ziemlich am Boden und die Rendite dementsprechend zweistellig ist – alles der Finanzmarktkrise geschuldet. Davon die Finger zu lassen ist klug. Staatsanleihen und Pfandbriefe sind hingegen klar zu favorisieren.

Auf Aktien zu verzichten, ist trotz der Abgeltungsteuer nicht angezeigt, schließlich gibt es diese Form der Kursgewinnbesteuerung mehr oder weniger weltweit. Es ist an den Gewinnen, so sie anfallen, eben nur der Fiskus zu beteiligen. Ein bisschen Schwund ist immer.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote