ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2009Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen - Persistierende Folgen im Erwachsenenalter: Reifung der Hörbahn

MEDIZIN: Diskussion

Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen - Persistierende Folgen im Erwachsenenalter: Reifung der Hörbahn

Fetal Alcohol Spectrum Disorders and Their Persisting Sequelae in Adult Life:

Dtsch Arztebl Int 2009; 106(1-2): 10; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0010a

Baschek, Volker; Steinert, Wilhelm; Hildebrant, Lydia

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LNSLNS Bei Neugeborenen wird ein Hörscreening durchgeführt, wobei eine angeborene Schwerhörigkeit bei einem Promille der Neugeborenen auftritt, die Fetalen Alkohol-Spektrum-Störungen (FASD) sind häufiger. Die bei den Neugeborenen gemessenen oto-akustischen Emissionen geben nur die Kontraktilität der äußeren Haarzellen in der Schnecke wieder, ein positiver Testausgang macht keine Aussagen über die zentralen Schädigungen. Zusätzlich müssen bei Kindern mit FASD akustisch evozierte Potenziale gemessen und die Reifung der Hörbahn kontrolliert werden, dies wurde schon 1981 von der Mayo-Klinik gefordert (1). Die zentrale Überleitungszeit vom Potenzial des Hörnervens zum Thalamus dient als Richtgröße.

Normale Babys erreichen im Alter von 18 Monaten eine Zeit von etwa 4 ms und diese Reifungszeit ist bei FASD deutlich verlängert; es gibt Kinder, bei denen die Hörbahn nie richtig ausreift. Es liegt dann eine Defektreifung vor, die Entwicklung kann auf dem Stand eines einjährigen Kindes stehen bleiben. Reift die Hörbahn bis zum Alter von vier Jahren bei FASD nicht aus, ist nicht mit einer Besserung zu rechnen. In einem gravierenden Fall unserer Praxis starb ein vernachlässigter Säugling und wurde von dem Vater an einem Autobahnparkplatz vergraben, die beiden Geschwister sprachen kein Wort und wurden mit Malzbier ernährt. Ist die Hörbahn nicht ausgereift und liegen weitere zentrale Erkrankungen vor, werden die adoptionswilligen Eltern auf die nachweislich auftretenden Probleme hingewiesen; man kann sich nicht des Eindruckes erwehren, der Staat und die Jugendämter versuchen ohne Berücksichtigung der möglichen gravierenden Folgen, das Risiko auf Adoptionsfamilien abzuwälzen.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0010a

Drs. med. Volker Baschek, med. Wilhelm Steinert, med. Lydia Hildebrant
Ebertstraße 20, 45879 Gelsenkirchen
1.
Stockard JE, Westmoreland BF: Technical Considerations in the Recording and Interpretation of the Brainstem Auditory Evoked Potential for Neonatal Neurologie Diagnosis. Am J EEG Technot 1981; 21: 31–54.
1. Stockard JE, Westmoreland BF: Technical Considerations in the Recording and Interpretation of the Brainstem Auditory Evoked Potential for Neonatal Neurologie Diagnosis. Am J EEG Technot 1981; 21: 31–54.

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