ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2009Zum Jahreswechsel: Viele Veränderungen

EDITORIAL

Zum Jahreswechsel: Viele Veränderungen

Gieseke, Sunna

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LNSLNS Das neue Jahr beginnt mit zahlreichen Veränderungen – hierfür wurden im vergangenen Jahr bereits die Weichen gestellt. Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen zum Beispiel ihren Beitragssatz nicht mehr selbst festlegen. Dies ist seit Anfang des Jahres die Aufgabe der Bundesregierung. Bereits im letzten Oktober wurde der Satz der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung auf 15,5 Prozent festgesetzt. Die Kassen reklamierten postwendend, dass dies zu niedrig sei. Sie bräuchten 15,8 Prozent.

Neu ist seit diesem Jahr auch der Gesundheitsfonds. Die Beiträge werden vom Arbeitgeber nicht mehr an die Kassen, sondern zuerst in den Fonds überwiesen. Von dort aus wird das Geld – gewichtet nach den Krankheitswahrscheinlichkeiten der Versicherten – an die Kassen verteilt. Dieser sogenannte Morbiditäts-Risiko­struk­tur­aus­gleich – kurz Morbi-RSA – stellt neue Weichen für die Versorgung psychisch kranker Menschen: Es wurde ein relativ breites Spektrum psychischer Krankheiten dort berücksichtigt. Das Morbiditätsrisiko tragen zudem ab jetzt die Kassen, und die Vergütung erfolgt in Euro und Cent. Darüber hinaus soll das Vergütungsvolumen für die genehmigungspflichtigen Leistungen der Psychotherapie um 160 Millionen Euro gesteigert werden. Kritiker werfen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung allerdings vor, einen zu niedrigen Orientierungswert akzeptiert zu haben. Zwischen den vereinbarten 3,5 Cent und den ursprünglich betriebswirtschaftlich kalkulierten 5,11 Cent lägen Welten. Die Psychotherapeuten profitieren in den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen unterschiedlich von den erreichten Steigerungen. Allerdings können sie auch mit der Honorarerhöhung und hohem Arbeitseinsatz immer noch kein Einkommen erzielen, das mit dem gut verdienender Fachärzte vergleichbar ist.

Mit der Umsetzung des Krankenhausfinanzierungsreformgesetzes (KHRG) soll ein neues Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Krankenhäuser eingeführt werden. Geplant ist ein pauschalisierendes, tagesbezogenes Entgeltsystem, welches auf eine breite Zustimmung bei den Psychotherapeuten stößt. Zu den Bestimmungen lesen Sie mehr auf Seite 14.

Mit dem GKV-Organisationsweiterentwicklungsgesetz (GKV-OrgWG) fiel die Altersgrenze für Ärzte und Psychotherapeuten. Demnach können PP künftig auch nach Vollendung des 68. Lebensjahres für GKV-Patienten tätig sein. Psychotherapeuten können selbst bestimmen, wann sie ihre Kassenzulassung abgeben. Für den Nachwuchs ist diese Regelung allerdings eher ein Hindernis. Sie werden es aufgrund dieser Regelung noch schwerer haben, einen der begehrten Praxissitze zu bekommen. Um dies aufzufangen, wurden zusätzlich Teilzulassungen ermöglicht.

Noch zwei Anmerkungen in eigener Sache. Zum letzten Mal erscheint die Reihe Internetrecherche. Dieses Mal lesen Sie etwas zu den Möglichkeiten, sich online über die Borderline-Störung zu informieren. Mehr dazu auf Seite 23. Des Weiteren ist die Serie „Aufbruch 1968“ in der Rubrik „Kunst + Psyche“ im Dezember 2008 zum letzten Mal erschienen. Nun wird für sechs Hefte die im Jahr 2007 begonnene Reihe „Foto im Fokus“ fortgesetzt. Hartmut Kraft wird Werke aus seiner Sammlung – wie gewohnt mit geschärften Sinnen – psychoanalytisch erläutern.
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