ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2009Internetrecherche: Borderline-Störung

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Internetrecherche: Borderline-Störung

Eichenberg, Christiane; Abitz, Karin

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LNSLNS Zu dieser Persönlichkeitsstörung gibt es im Internet eine hohe Anzahl verschiedener Informationsseiten und Kommunikationsräume.

Die Borderline-Störung gehört diagnostisch zur Gruppe der Persönlichkeitsstörungen. Sie weist neben der dependenten und der anankastischen Persönlichkeitsstörung die höchsten Prävalenzraten auf (Bronisch, 2002).

Zur Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) sind im Internet insbesondere eine hohe Anzahl verschiedener Informationsseiten und Kommunikationsräume für Betroffene zu finden. Knatz und Dodier (2003) sind der Ansicht, dass an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung Erkrankte das Internet als Kommunikationsmöglichkeit präferieren. Dieses Medium biete ein hohes Maß an Kontrolle bei der gleichzeitigen Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu treten.

Im Folgenden wird ein Überblick über einführende Informationen zur BPS gegeben, gefolgt von Forschungsprojekten diverser Universitäten. Vorgestellt werden spezielle Fachgesellschaften und Zeitschriften sowie Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für interessierte Fachleute. Abschließend wird ein Einblick in Onlineressourcen für Betroffene und ihre Angehörige geboten.

Überblick
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) offeriert auf ihrer Internetpräsenz die Leitlinien „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ mit Hinweisen zur Diagnostik, Komorbidität, Psychodynamik und zum therapeutischem Vorgehen (1).

Die Diagnosekriterien nach dem DSM-IV und der ICD-10 sind auf der Homepage des Psychiaters Dr. Ivan Goldberg zusammengestellt (2). Des Weiteren bietet Goldberg eine umfangreiche Liste mit weiterführenden Internetadressen an.

Prof. John M. Oldham (University of South Carolina) publizierte einen Übersichtsartikel mit dem Titel „Borderline Personality Disorder: An Overview“, der in der Zeitschrift „Psychiatric Times“ erschienen ist (3). Angesprochen werden unter anderem Hinweise zur Diagnostik und Epidemiologie sowie ätiologische und neurobiologische Aspekte.

Ein weiterer frei zugänglicher Artikel mit dem Titel „Borderline-Persönlichkeitsstörungen in der Praxis – An der Grenze zur Verzweiflung“ von Dr. Klaus Höschel und Prof. Martin Bohus, erschienen in der Zeitschrift „Der Neurologe & Psychiater“, kann unter (4) abgerufen werden. Im ersten Teil beschäftigt sich der Beitrag mit der Diagnostik, Epidemiologie, Versorgung und dem Verlauf des Krankheitsbildes sowie mit den genetischen und psychosozialen Ursachen. Im zweiten Teil wird die dialektisch behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan ausführlich dargestellt.

Nennenswert ist ebenso der Artikel von Dr. Anthony W. Bateman, veröffentlicht in der Zeitschrift „Psychiatric Times“, der sich mit „Psychoanalytic Treatment of Borderline Personality Disorder“ auseinandersetzt (5).

Die Testzentrale des Hogrefe Verlags publiziert das „Borderline-Persönlichkeits-Inventar (BPI)“, entwickelt von Prof. Falk Leichsenring. Dieser Fragebogen eignet sich zur klinischen Diagnostik, zur Erforschung psychotherapeutischer Effekte sowie für epidemiologische und klinische Untersuchungen (6). Es wird die Möglichkeit gegeben, den BPI online zu bestellen.

Forschungsprojekte
Eine Reihe von deutschen Universitäten widmet sich in speziellen Forschungsprojekten der BPS.

www.borderlinepersonalitydisorder.com
www.borderlinepersonalitydisorder.com
Ein erstes Beispiel ist die Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Berlin, geleitet von Prof. Dr. Isabella Heuser (7). Derzeit werden vom Modul „Persönlichkeitsstörungen“ diverse Projekte und Studien durchgeführt, wie zum Beispiel „Emotionale Aktivierung als ein Prädiktor der Therapieresponse bei Borderline-Patientinnen“ unter der Leitung von Dr. Nicole Schommer oder „Selbstkonzept und Selbstwertgefühl bei Borderline-Patientinnen“, geleitet von Dr. med. Stefan Röpke.

Die AG Borderline-Persönlichkeitsstörungen der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg stellt die Entwicklung und Evaluation störungsspezifischer psychotherapeutischer Verfahren und Untersuchungen zur Ätiologie des Störungsbilds ins Zentrum ihrer Forschungsaktivitäten (8). Aktuelle Studien sind „Affektregulation bei Borderline-Persönlichkeitsstörung“ und „Schematherapie bei Borderline-Persönlichkeitsstörung“.

www.borderline-plattform.de
www.borderline-plattform.de
Die Arbeitseinheit Klinische Psychologie der Universität Heidelberg (9) führt unter anderem Studien zum Thema „Ätiologie-/Behandlungsforschung (speziell bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen)“ durch.

Wissenschaftliche Publikationen der Arbeitseinheit aus den letzten fünf Jahren sind aufgelistet.

Dr. med. Kai G. Kahl von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein hat ein Online-papier mit dem Titel „Major-Depression, Borderline-Persönlichkeitsstörung und körperliche Erkrankungen – Späte Folgen früher Traumata“ frei verfügbar zum Download bereitgestellt (10).

Empfehlenswert ist außerdem eine Dissertation zur Thematik, die von Christoph Kröger mit dem Titel „Komorbidität und Prädiktoren für den Therapieerfolg bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung“ an der Universität Bamberg eingereicht wurde (11). Eine weitere Dissertation von Barbara Diepold („Borderline Entwicklungsstörungen bei Kindern“) ist ebenfalls online einsehbar (12).

Weitere Forschungsprojekte sind beim Deutschen Bildungsserver kommentiert zusammengefasst (13).

Fachgesellschaften
Die National Education Alliance For Borderline Personality Disorder (NEA-BPD) ist eine US-amerikanische Fachgesellschaft (14). Auf der Homepage publiziert die NEA-BPD ein breites Spektrum an Informationen: Interessierte haben die Möglichkeit, sich über Kongresse zu informieren, finden Publikationen zum Thema als pdf-Download und Verlinkungen zu anderen themennahen Internetpräsenzen.

Eine weitere in den USA angesiedelte Fachgesellschaft ist die 1999 gegründete Borderline Personality Disorder Research Foundation (BPD), eine gemeinnützige Gesellschaft, die die internationale Forschung zum Störungsbild unterstützt (15). Auf der Homepage angeboten werden allgemeine Informationen über die Fachgesellschaft und einführende Informationen zum Störungsbild. Unter „News & Events“ sind unter anderem Veranstaltungshinweise und Kongress-berichte zu finden. „References & Ressources“ bietet Verlinkungen zu Universitäten, Kliniken und Institutionen, die allerdings nicht alle funktionieren, sowie themenspezifische Literaturempfehlungen.

Weiter- und Fortbildung
Die Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Psychotherapie Freiburg bietet die Möglichkeit der Fortbildung in „Dialektisch Behavioraler Therapie der Borderline-Störung (DTB)“ nach Marsha Linehan an (16), die in ihrer Methodik Einzel-therapie und Fertigkeitstraining in der Gruppe kombiniert. Die Anwendung der Methode eignet sich sowohl für stationäre als auch für ambulante Therapien.

Das Curriculum dieser Fortbildung wurde vom Deutschen Dachverband DBT akkreditiert. Die curricularen Module sowie die einzelnen Termine des Programms sind einsehbar. Des Weiteren werden die Leitung (Prof. Dr. Martin Bohus) und die Trainer des Fortbildungsangebots vorgestellt.

www.grenzposten.de
www.grenzposten.de
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Die Arbeitsgemeinschaft für Wissenschaftliche Psychotherapie Berlin (17) bietet verhaltenstherapeutisch orientierte Weiterbildungskurse an. Die verschiedenen Weiterbildungsmodule sind ebenso einsehbar wie die Curricula und Kosten.

Das Transference-Focused Psychotherapy Institut in München unter der Leitung von Prof. Dr. med. Peter Buchheim bietet Fortbildungsmöglichkeiten in einer psychodynamisch fundierten Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeit an, der sogenannten Transference-Focused Psychotherapy (TFP). Die Fortbildung wird in Kooperation mit dem Personality Disorders Institute (PDI) New York durchgeführt. Es werden Informationen zur TFP gegeben, Kursübersicht und Zeitplan sowie Organisatorisches wie Anmeldung, Kosteninformationen sind abrufbar (18).

Der Arzt und Lehranalytiker Dr. med. Jochen Peichel, der sich in der Klinik und Praxis auf die Behandlung von Betroffenen mit BPS spezialisiert hat, bietet Seminare an wie zum Beispiel „Ambulantes Training der Affekt- und Impulsregulation bei Patienten mit Borderlinesymptomatik“(19).

Zeitschriften
Die Zeitschrift „Persönlichkeitsstörungen: Theorie und Therapie (PTT)“ erscheint vierteljährlich im Schattauer Verlag und befindet sich derzeit im zwölften Jahrgang (20). Die Inhaltsangaben der verschiedenen Ausgaben und Abstracts der einzelnen Artikel sind seit dem Erscheinungsjahr 2001 online einsehbar.

Die Zeitschrift „Grenzposten“ (21) ist eine Borderline-Selbsthilfe-Zeitung, die vierteljährlich erscheint. Herausgegeben wird sie von dem gemeinnützigen Verein „GRENZPOSTen e.V.“, der sich zum Ziel gesetzt hat, Aufklärungsarbeit zur BPS zu leisten. Die Zeitschrift möchte Hilfe zur Selbsthilfe anregen, basierend auf Methoden der Verhaltenstherapie. Auf der Homepage der Zeitschrift werden zudem Informationen über die BPS für verschiedene Zielgruppen bereitgestellt. Der Dialog zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten soll gefördert werden.

Ressourcen für Betroffene
Patienteninformationen werden von der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Berlin Betroffenen und Interessierten zur Verfügung gestellt (22). Es wird ein laiengerechter Überblick über das Krankheitsbild gegeben. Beginnend mit den Kriterien des DSM-IV folgen besondere Merkmale, ätiologische und neurobiologische Aspekte sowie Erläuterungen zu unrealistischen Bewertungsprozessen und dysfunktionalen Handlungen.

Auf der Homepage des Psychotherapeuten Dr. Hans Morschitzky (23) werden ebenfalls die besonderen Merkmale des Störungsbilds gut verständlich erläutert.

Die englischsprachige Website des BPD-Central (24) bietet speziell für Angehörige von an einer BPS leidenden Personen eine gut strukturierte Plattform. Angehörige finden allgemeine Informationen zur Erkrankung inklusive Hilfestellungen für sich selbst. Zudem werden Literaturempfehlungen zum Umgang mit dem Angehörigen angeboten.

Ein Netzwerk für Betroffene von Betroffenen ist die Onlineplattform „Borderline-Netzwerk e.V“(25). Hier finden Interessierte ein Forum, die Möglichkeit zum Chat, einen Expertenrat für Betroffene und einen Angehörigenrat. Allgemeine einführende Texte zum Krankheitsbild stehen zur Verfügung.

Die Borderline-Plattform (26) bietet umfassende, laiengerecht aufgearbeitete Informationen zur Symptomatik, zu Therapiemöglichkeiten und rechtlichen Hilfen. Eine Therapeuten- und Kliniksuche ist möglich. Das Onlineangebot wird ergänzt durch ausführliche Informationen zu Selbsthilfegruppen und diversen virtuellen Kontaktmöglichkeiten wie Forum, Chat und Mailingliste. Ein ähnliches strukturiertes Internetangebot ist die „Borderline- Community“ (27) mit unter anderem einer umfangreich recherchierten Literaturliste.
Dr. Christiane Eichenberg, Karin Abitz

Literatur
Bronisch T: Definition, Klassifikation und allgemeine Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen. In: Herpertz S, Saß H (Hrsg.): Persönlichkeitsstörungen. Stuttgart: Thieme 2002: 4–16.
Eichenberg C, Streeck U: Narzissmus und Internet. Psychotherapie im Dialog 2004; 3: 307–8.
Knatz B, Dodier B: Hilfe aus dem Netz. Theorie und Praxis der Beratung per E-Mail. Stuttgart: Pfeiffer by Klett-Cotta 2003.

Anschrift der Verfasserinnen
Dipl.-Psych. Dr. Christiane Eichenberg, Karin Abitz, Institut für Klinische Psychologie & Psychologische Diagnostik, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität zu Köln, Höninger Weg 115, 50969 Köln, E-Mail: eichenberg@uni-koeln.de, www.christianeeichenberg.de


Internetadressen
 1. Leitlinien „Borderline-Persönlichkeitsstörung“: www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll-na/051-015.htm
 2. Informationen von Goldberg: www.psycom.net/depression.central.borderline.html
 3. Artikel von Oldham: www.psychiatrictimes.com/display/article/10168/53976?pageNumber=2
 4. Artikel von Bohus & Höschel: www.derneurologe-psychiater.de/dnp/archiv/614.php
 5. Artikel von Bateman: www.psychiatrictimes.com/p010737.html
 6. „Borderline-Persönlichkeits-Inventar“: www.testzentrale.de/?mod=detail&id=309
 7. Klinik und Hochschulambulanz der Charité Berlin: www.charite-psychiatrie.de/main/
module/persnlichkeitsstru/ps-forschung.html
 8. Universitätsklinikum Freiburg: www.uniklinik-freiburg.de/psych/live/forschung/bereiche/ag-borderline.html
 9. Universität Heidelberg: www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/klips/_mac/forschung.php#eins
10. Artikel von Kahl: www.degpt.de/daten/Kahl.pdf
11. Dissertation Kröger: www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2005/27/
12. Dissertation Diepold: www.diepold.de/barbara/diss/index.html
13. Deutscher Bildungsserver: www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=2362
14. NEA-BPD: www.borderlinepersonalitydisorder.com
15. BPD: www.borderlineresearch.org
16. Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Psychotherapie Freiburg: www.borderline-online.de
17. Arbeitsgemeinschaft für Wissenschaftliche Psychotherapie Berlin: www.awp-berlin.de
18. Transference-Focused Psychotherapy Institut München: www.tfp-institut-muenchen.de
19. Fortbildungen von Peichel: www.jochen-peichl.de/aktuelleseminare.html
20. Zeitschrift „PTT“: www.ptt-online.info
21. Zeitschrift „Grenzposten“: www.grenzposten.de
22. Patienteninformationen der Charité Berlin: www.charite-psychiatrie.de/main/patienteninformation/krankheitsbilder/borderline-persnlic.html
23. Informationen von Morschitzky: www.panikattacken.at/borderline/borderline.htm
24. BPDCentral: www.bpdcentral.com/index.php
25. Borderline-Netzwerk: www.borderline-netz werk.info
26. Borderline-Plattform: www.borderline-platt form.de
27. Borderline Community: www.borderline-com munity.de

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