ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2009Künstliche Befruchtung: Unterschiede der Kinder geringfügig

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Künstliche Befruchtung: Unterschiede der Kinder geringfügig

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LNSLNS Psychologen der Universität Ulm haben 22 Studien aus den Jahren 2000 bis 2006 zur Entwicklung von Kindern aus assistierter Befruchtung (IVF) ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass sich diese Kinder in vielen Bereichen kaum von natürlich gezeugten Kindern unterscheiden. Allerdings fanden die Autoren auch Unterschiede, hauptsächlich im körperlichen Bereich. So besteht für IVF-Schwangerschaften eine um den Faktor 1,24 erhöhte Fehlbildungsrate. Zu Fehlbildungen kommt es hauptsächlich in den Bereichen Herz, Gastrointestinaltrakt, Nieren und ableitende Harnwege. Hinzu kommen eine erhöhte Rate von Chromosomenanomalien und ein erhöhtes Risiko für perinatale Komplikationen wie Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht. Im Hinblick auf die geistige und psychomotorische Entwicklung gibt es marginale Hinweise, dass IVF-Kinder einen niedrigeren IQ und leichte Entwicklungsverzögerungen in den ersten Lebensjahren aufweisen. Bezüglich der psychosozialen und emotionalen Entwicklung werden IVF-Kinder als angepasst und folgsam beschrieben, wobei es Hinweise auf internalisierende Symptome, Überanpassung und ängstlich-vermeidendes Verhalten gibt. Bisher fehlen jedoch noch Langzeitstudien, die diese Hinweise untermauern. Darüber hinaus wurden Umwelteinflüsse, insbesondere das Erziehungsverhalten der Eltern, kaum untersucht. Es ist zu vermuten, dass ein überfürsorgliches und vorsichtiges Verhalten der Eltern die beschriebenen Auffälligkeiten in der psychosozialen und emotionalen Entwicklung fördert. ms

Izat Y, Goldbeck L: Die Entwicklung von Kindern aus assistierten Befruchtungen. Eine Übersicht der Studienlage. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 2008; 57(4): 264–81.
Yonca Izat, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universität Ulm, Steinhövelstraße 5, 89075 Ulm, E-Mail: yonca.izat@uniklinik-ulm.de

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