ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2009Rituale: Anregender Zugang

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Rituale: Anregender Zugang

Kattermann, Vera

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Menschen haben von jeher Rituale entwickelt, um Phasen der Veränderung zu markieren und die damit verbundene Unsicherheit und Destabilisierung besser zu bewältigen: Geburt, Tod, Pubertät, aber auch politische Veränderungen und gesellschaftlicher Wandel – stets helfen uns Rituale, die mit dem Übergang einhergehenden Änderungen des Lebensalltags einzuleiten und zu gestalten.

Und kann nicht auch die Psychotherapie als ein Übergangsritual verstanden werden, das den Übergang von einem krisenhaft gestörten Zustand zu einer Neuordnung der Lebenszusammenhänge begleitet? Warum sollte man dann hierfür nicht auch ganz konkret das stützende und transformierende Potenzial von Ritualen nutzen? In der systemischen Therapie wird dieser Gedanke schon länger verfolgt und umgesetzt, einige hiervon ausgehende Impulse für andere Therapieschulen werden in dem Buch von Manfred Vogt und Heinrich Dreesen als Herausgeber vorgestellt. Es bietet eine Zusammenstellung von Denkanstößen und praktischen Anregungen aus therapeutischen Fallgeschichten ebenso wie einige theoretische Ausführungen zur spezifischen Qualität von Ritualen. Die Aufsätze aus unterschiedlichen therapeutischen Richtungen eint die Orientierung an einer ressourcenorientierten Arbeit. In ihrer Heterogenität zeigen sie auf, dass der Einsatz ritueller Elemente den therapeutischen Prozess nicht nur fördern und präzisieren, sondern auch um eine sinnliche und lebendige Komponente bereichern kann.

Die Spannbreite reicht dabei von einem universell einsetzbaren Ritual wie das Schreiben eines fortlaufenden Briefs bis hin zur Erarbeitung eines individuellen Rituals, hier im Kontext einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung. Es werden zum Beispiel Fallvignetten aus der Arbeit mit essgestörten Patientinnen, mit Müttern mit Wochenbettdepression oder auch mit psychotraumatisierten Patienten vorgestellt. Die Heterogenität der Zugänge und die Vielfalt der Betrachtungswinkel ist eine Stärke des Sammelbands, der zugleich jedoch auch etwas beliebig zusammengestellt und logisch verworren aufgebaut wirkt. Auch die Qualität der einzelnen Beiträge schwankt deutlich.

Das Buch bietet aber einen anregenden Zugang für die therapeutische Arbeit mit rituellen Elementen und ist somit für psychotherapeutisch Tätige durchaus zu empfehlen. Vera Kattermann

Manfred Vogt, Heinrich Dreesen (Hrsg.): Rituale, Externalisieren und Lösungen. Interventionen in der Kurzzeittherapie. Borgmann, Dortmund 2008, 192 Seiten, kartoniert, 19,80 Euro
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