ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2009Randnotiz: Ärzte leicht verführbar

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Randnotiz: Ärzte leicht verführbar

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Seit Mitte der Achtzigerjahre ist der „Vorschussbetrug“, besser bekannt als Nigeria-Betrug, ein Massenphänomen im Internet: Weltweit werden Millionen E-Mails – selbstredend streng vertraulich – an willkürlich ausgewählte Adressaten verschickt. Die Verfasser der Briefe, die häufig aus Nigeria oder anderen Entwicklungsländern stammen, bitten die Empfänger, beim Transfer von hohen Millionenbeträgen ins Ausland behilflich zu sein. Als Belohnung winken Provisionen im zweistelligen Prozentbereich. Vor der Auszahlung der Gewinne muss der „Geschäftspartner“ jedoch stets Vorschusszahlungen wie Verwaltungs- oder Versicherungsgebühren übernehmen. Wer diese zahlt, wartet anschließend vergeblich auf seinen Millionengewinn.

Nach Studien der niederländischen Firma Ultrascan, die seit 1996 solche E-Mail-Betrugsfälle untersucht, entstand 2007 auf diese Weise weltweit ein Schaden von 4,3 Milliarden US-Dollar, davon rund 280 Millionen US-Dollar in Deutschland. Erstaunlich ist nicht nur, dass diese relativ plumpe Masche nach so vielen Jahren immer noch so gut funktioniert. Bemerkenswert ist auch, dass laut Ultrascan nicht etwa vor allem schlecht ausgebildete oder finanziell unerfahrene Menschen darauf hereinfielen, sondern vielmehr Akademiker, gut ausgebildete und (natürlich) besserverdienende Menschen. Selbst Manager, Polizeibeamte und Direktoren börsennotierter Unternehmen zählten zu den Opfern.

Als besonders verführbar erwiesen sich jedoch Mediziner mit hohem Selbstvertrauen, denen die Betrüger suggerieren konnten, dass sie damit auch etwas Gutes tun würden. Signifikant hohe Verluste erlitten unter anderem Psychiater, Psychologen und Neurochirurgen.
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