ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2009Studium: Erfolgreiches Klagen
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Die heutige Generation der Medizinstudenten dürfte ein ähnlich naives und unrealistisches Bild von ihrem späteren Beruf haben, wie meine Kommilitonen und ich es damals hatten (Staatsexamen 1992). Das Ergebnis der Umfrage von Frau Dr. Osenberg spiegelt also nicht etwa die Realität des Arztberufs in Deutschland wider, sondern zeigt vielmehr, wie erfolgreich wir Ärzte damit sind, durch ununterbrochenes Klagen unserem Nachwuchs die Lust auf den Arztberuf in Deutschland zu verderben. Dabei bietet der Arztberuf in mancher Hinsicht nahezu paradiesische Verhältnisse. Die Arbeitslosenquote liegt unterhalb der Nachweisgrenze. Nach dem Abschluss des Studiums kann die Assistentenstelle praktisch frei gewählt werden, sogar in Fächern, in denen früher Stellen nur „vererbt“ wurden (Pädiatrie, Neurologie). Da es den AiP nicht mehr gibt, verdienen Assistenzärzte ab dem ersten Tag mindestens so viel, wie viele andere Akademiker. Vielleicht nicht ganz so viel wie ein Investmentbanker, aber wer möchte ernsthaft mit denen tauschen wollen? Für die Arbeitsstelle muss man noch nicht einmal, wie wir damals, in die niedersächsische Provinz, sondern kann in wohlklingenden Städten wie Hamburg, Berlin, München und Köln arbeiten. Nach der Assistentenzeit herrscht freie Wahl zwischen Klinik und Niederlassung, letztere nun vielleicht nicht mehr in Hamburg/Berlin/München/Köln, aber auch woanders ist es schön. Ab Januar gibt es für Niedergelassene sogar ein quasi garantiertes Einkommen, bei welchem anderen Selbstständigen ist das so? Schließlich müssen auch keine Ärztin und kein Arzt auf Familie verzichten. Um überhaupt Assistenten zu bekommen, bieten viele Kliniken inzwischen Teilzeitstellen an, und in einer Gemeinschaftspraxis lässt sich Teilzeitarbeit auch gut realisieren. Wir sollten also endlich damit aufhören, den Arztberuf in Deutschland schlechtzureden und zu meinen, in anderen Ländern sei alles besser.
Dr. Mark Pilz, Kirchenstraße 126, 26919 Brake
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