ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2009Die Investition und Ihre Finanzierung „Steuerliche Gründe“ sollten nicht den Ausschlag geben

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Die Investition und Ihre Finanzierung „Steuerliche Gründe“ sollten nicht den Ausschlag geben

Bandering, Michael

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LNSLNS Ein nachhaltiger Erfolg einer Anschaffung lässt sich nur über eine solide Finanzierung absichern.

Ziel einer Investition ist die langfristige Existenzsicherung des niedergelassenen Arztes. Eine Investition sollte keinesfalls getätigt werden, um sich aus „steuerlichen Gründen“ Abschreibungsbedarf zu schaffen, drücken doch Abschreibungen echten Vermögensverzehr aus, der am Praxiserfolg nicht nur „steuerlich“ knabbert. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die langfristige Investition in Sachanlagen, also eine bestimmte zielgerichtete Kapitalbindung zur Erwirtschaftung künftiger Erträge.

Jeder Investition hat eine qualifizierte Planung vorauszugehen, die die Prüfung von Investitionsalternativen mit Kostenvergleichsrechnungen einschließt. Motiv für eine Ersatzinvestition kann eine nicht mehr einsatzfähige Anlage genau so sein wie ein technisch veralteter Apparat oder ein reparaturanfälliges Auto. Angesichts hoher Personalkosten ergibt sich auch die Frage, ob Aufwendungen für rationellere Arbeitsabläufe den Praxiserfolg verstärken könnten. Freilich ist hier – mehr noch als bei der Ersatzinvestition – zweifelhaft, ob die projektierte Rationalisierungsinvestition unter dem Strich mittelfristig auch tatsächlich den gewünschten Effekt bringt.

Anschaffungskosten gehen über die Abschreibungen als Kosten in die Ertragsrechnung einer Arztpraxis ein. Dabei gilt der alte Grundsatz: Die billigste Anlage ist nicht immer die preisgünstigste und die teure nicht immer die beste. Zu den Anschaffungskosten zählen auch Aufwendungen für Frachten und Aufwendungen für etwaigen Zoll. Schließlich sind die laufenden Betriebskosten auszumachen: Fixkosten wie variable Kosten, die die neue Anlage auslöst. Neben den Abschreibungen sind als Fixkosten etwaige Mietverteuerungen wegen Raummehrbedarfs, Versicherungsprämien und Finanzierungskosten anzuführen.

Stellt man am Ende dieser Überlegungen fest, dass sich die projektierte Investition „rechnet“, steht deren Realisierung nichts mehr im Weg. Nun aber geht es noch um den gesicherten(!) Liefertermin. Die Entscheidung der Bank, das Vorhaben zu begleiten, erleichtert ein vom Praxisinhaber vorgelegter seriöser Liquiditäts- und Finanzplan.

An dieser Stelle ein kurzer Hinweis zur Desinvestition: Hier geht es fallweise nicht nur um die Kosten des Abbaus einer Anlage, sondern darüber hinaus um die Entsorgungsproblematik. Beabsichtigt man den Verkauf eines Anlageguts, bietet sich beispielsweise die Insertion in der Fachpresse an. Der Kunde einer erfahrenen Leasinggesellschaft findet in seinem Vertragspartner unter Umständen auch einen Helfer anlässlich der Verwertung einer gebrauchten (selbst nicht geleasten) Anlage, ist doch eine marktstarke Leasingfirma auch im Secondhandmarkt zu Hause.

Die Anschaffung langfristig gebundener Vermögenswerte bedarf einer angepassten, das heißt langfristigen Finanzierung. Als klassisches Finanzierungsinstrument dient vor allem das Eigenkapital.

Banken gewähren Investitionsdarlehen mit einer unter der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer (Abschreibungszeit) liegenden Laufzeit, erwarten aber einen Eigenfinanzierungsanteil von meist 20 bis 25 Prozent der Anschaffungskosten. Kann beleihungsfähiger Grundbesitz zur Besicherung angeboten werden, lässt sich eine aktuelle Investitionsfinanzierung auch mit einer Konsolidierung kurzfristiger Verbindlichkeiten verknüpfen: durch ein Hypothekendarlehen einer Hypothekenbank, Landesbank, Sparkasse oder Genossenschaftsbank auf in der Regel etwa zwei Jahrzehnte. Auch bieten verschiedene Geschäftsbanken Hypothekendarlehen an. In beiden Fällen aber ist zu beachten, dass eine Nichtabnahme eines bereits zugesagten Darlehens eine satte Nichtabnahmeentschädigungsverpflichtung auslöst, und tilgungsplanfremde (Teil-)Rückführungen ebenso beachtliche Vorfälligkeitsentschädigungszahlungen zur Folge haben.

Man sollte sich folglich vorab über diese Hürden klar werden, vor allem aber die mögliche Höhe derartiger Konventionalstrafen einigermaßen zutreffend einschätzen. Investitionsdarlehen der Bank werden häufig mit einem Festzins auf zwei bis fünf Jahre ausgestattet oder mit Zinssicherungsabsprachen verknüpft. Hypothekendarlehen sind in der Regel mit einer Zinsfestschreibung von fünf oder zehn Jahren konzipiert. Während dieses Zinsbindungszeitraums unterliegen außerplanmäßige Tilgungen (der die Bank aber erst zustimmen muss) der Verpflichtung zur Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung.

Schließlich sei noch eine Form der Investitionsfinanzierung angesprochen: Die Anschaffung über Leasing, bei der der Leasingnehmer das Leasinggut nutzt, das Eigentum daran jedoch beim Leasinggeber verbleibt – ein allerdings meist (auch unter Berücksichtigung steuerlicher Aspekte) teurerer Weg als die konventionelle Fremdfinanzierung (DÄ, PRAXiS, Heft 2/2008).

Auf keinen Fall sollte man sich dazu hinreißen lassen, langfristige Investitionsgüter über kurzfristige Finanzierungsquellen zu refinanzieren; denn ein nachhaltiger Erfolg der Investition lässt sich nur über ein solides Finanzierungsnetz absichern.
Michael Bandering
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