ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2009Retinopathie: Wovon hypertensive Diabetiker profitieren

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Retinopathie: Wovon hypertensive Diabetiker profitieren

Vetter, Christine

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LNSLNS RAAS-Blockade mit Candesartan wurde durch das DIRECT-Studienprogramm überprüft.

Seit einiger Zeit gibt es Hinweise darauf, dass die Gefahr einer diabetischen Retinopathie sowie deren Progression durch eine konsequente Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) möglicherweise gebannt werden kann. Inwieweit sich dies in klinischen Studien belegen lässt, wurde nun erstmals in einem umfassenden Prüfprogramm, den aus drei Teilstudien bestehenden DIRECT-Studien (Diabetic Retinopathy Candesartan Trials), analysiert. Dabei wurden 5 231 Typ-I- und Typ-II-Diabetiker aus 309 Zentren in 30 Nationen vier Jahre lang doppelblind und placebokontrolliert mit einer Zieldosis von täglich 32 mg des AT-I-Rezeptorblockers Candesartan* behandelt.

Die Teilstudie DIRECT-Prevent-1 ging dabei der Frage nach, inwieweit der AT-I-Blocker bei 1 421 Typ-I-Diabetikern ohne Retinopathie das Auftreten der Folgekomplikation verhindert. Es sei eine Reduktion der Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent festgestellt worden, wobei der Wert allerdings nicht signifikant gewesen sei (Post-hoc-Analyse, p = 0,003), berichtete Prof. Stephan Martin (Düsseldorf) bei einem Pressegespräch in Düsseldorf.

Bei Typ-II-Diabetikern lässt sich Retinopathie verzögern
In der Teilstudie DIRECT-Protect-1 zeigte sich parallel dazu, dass bei Typ-I-Diabetikern, die bereits unter einer moderaten diabetischen Retinopathie leiden (n = 1 905), durch Candesartan im Vergleich zu Placebo keine eindeutige Hemmung der Progression der Augenschädigung zu erwirken ist (primärer Endpunkt, p = 0,85).

Günstiger waren die Daten bei Typ-II-Diabetikern, wie Martin darlegte: „So wurde in der Studie DIRECT-Protect-2 eine Verringerung des Fortschreitens der diabetischen Retinopathie um 13 Prozent registriert. Auch dieser Wert war nicht signifikant (primärer Endpunkt, p = 0,2). Gleichzeitig ergab sich jedoch eine Regression der Veränderungen bei Patienten mit früher Retinopathie, und zwar signifikant um 34 Prozent (sekundärer Endpunkt p = 0,009).“

Martin hob darüber hinaus die gute Verträglichkeit von Candesartan hervor, das allgemein von den Patienten auch in der hohen Dosierung gut toleriert werde, und dies auch von Diabetikern mit Blutdruckwerten im Normbereich.

Die gepoolten Daten der drei Studien wurden genutzt, um den Effekt auf den frühen Beginn einer Mikroalbuminurie bei normotensiven oder vorbehandelten hypertensiven Diabetikern zu untersuchen. Damit wurde erstmals der Einsatz eines AT-I-Rezeptorblockers zur Primärprävention einer Mikroalbuminurie untersucht. Die Daten zeigen, dass die Behandlung mit Candesartan keinen Einfluss auf das Eintreten einer Mikroalbuminurie hat.

Die vermutlich mit Candesartan einhergehende Blutdruckeinstellung hat die Ergebnisse leicht abgeschwächt. Sie veränderten jedoch nicht die Gesamterkenntnis, dass die Effekte bei der diabetischen Retinopathie blutdruckunabhängig sind und über die Ergebnisse einer einfachen Blutdrucksenkung bei Diabetikern hinausgehen.
Christine Vetter

Pressegespräch „Diabetische Retinopathie – Vorstellung der Ergebnisse des DIRECT-Studienprogramms mit Atacand®“ in Düsseldorf, Veranstalter: Astra-Zeneca
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