ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2009Beweislastumkehr: Kausalität ist entscheidend

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Beweislastumkehr: Kausalität ist entscheidend

Berner, Barbara

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LNSLNSLNSLNS Die erleichterte Beweisführung für einen Patienten kommt im Fall des Kausalitätsnachweises für Schäden, die erst als Folge eines Behandlungsfehlers eingetreten sein sollen, dann zur Anwendung, wenn die Sekundärschäden tatsächlich eine typische Folge des ursprünglichen Fehlers sind. Zudem setzt eine Beweislastumkehr zugunsten eines Patienten voraus, dass dem Arzt ein grober Behandlungsfehler unterlaufen ist. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden.

Im vorliegenden Fall verklagte ein Patient seinen Facharzt für Orthopädie wegen einer Fehlbehandlung auf Schadensersatz. Der Mann hatte sich im Oktober 2002 mit einem Hammer auf den linken Zeigefinger geschlagen und ließ sich deswegen behandeln. Aufgrund des angefertigten Röntgenbilds diagnostizierte der Orthopäde eine starke Prellung. Kurz danach rutschte der Mann während der Arbeit aus. Dieses Mal wurde eine Refraktur des linken Zeigefingerendglieds diagnostiziert.

Nachfolgend trat eine sudecksche Heilentgleisung ein. Der Mann ist seitdem arbeitsunfähig und behauptet, er habe bereits im Oktober 2002 eine Fraktur erlitten. Der Zeigefinger hätte ruhig gestellt, er selbst arbeitsunfähig geschrieben werden müssen.

Der Sachverständige hat in seinem Gutachten einen Behandlungsfehler bejaht, weil tatsächlich eine Fraktur vorgelegen habe und die Diagnose „Prellung“ falsch gewesen sei. Nach Auffassung des BGH, der damit dem Berufungsgericht nicht folgte, ist bei der Prüfung, ob ein Behandlungsfehler die Ursache für alle weiteren Folgeschäden war, und ebenso bei der Abklärung einer fehlerbedingten Verschlimmerung von Vorschäden von einem erleichterten Beweismaßstab auszugehen. Hier könne bereits die Wahrscheinlichkeit genügen. Es ist somit Aufgabe des Berufungsgerichts, gegebenenfalls durch Nachfrage beim Sachverständigen, zu klären, ob es sich hier um einen Morbus Sudeck als typische Folge der durch den Behandlungsfehler ausgelösten Primärschädigung handelt. (Urteil vom 12. Februar 2008, Az.: VI ZR 221/06) RAin Barbara Berner
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