ArchivDeutsches Ärzteblatt19/1997Umweltthema im Mai: Geogene Belastung in den Mittelgebirgen

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Umweltthema im Mai: Geogene Belastung in den Mittelgebirgen

Eckel, Heyo; Hüttemann, Ulrich; Rink, Claus

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LNSLNS Ende April hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter eine Karte mit der ortsabhängigen geologischen Strahlenleistung veröffentlicht. Dabei wurde eindeutig belegt, daß die Strahlenbelastung aufgrund geologischer Voraussetzungen (Ge-steinsarten) in der Norddeutschen Tiefebene geringer ist als in den Mittelgebirgen. Die Ursache sind natürliche radioaktive Stoffe und ihre Zerfallsprodukte, die in den Böden und Gesteinsschichten der Erdkruste in unterschiedlichen Konzentrationen vorhanden sind. Das spiegelt sich in den Werten der Ortsdosisleistung der terrestrischen Strahlung wider, gemessen in der Einheit Nanosievert pro Stunde.
In großen Teilen des Fichtelgebirges, des Oberpfälzer Waldes und des Bayerischen Waldes sind die Werte etwa viermal so hoch wie in Norddeutschland - stellenweise liegen sie über 120 Nanosievert (Nano = Milliardstel) pro Stunde. Der Mittelwert der Ortsdosierung für Deutschland beträgt 55 Nanosievert pro Stunde. Zum Vergleich: Bei einem Hin- und Rückflug Frankfurt - Teneriffa nimmt man etwa 15 000 Nanosievert auf, in unmittelbarer Nähe eines Kernkraftwerkes 5 000 Nanosievert innerhalb eines Jahres.
Die geogene Strahlenbelastung wurde bereits in den 70er Jahren gemessen. In den beiden vergangenen Jahren hat man aufgrund der öffentlichen Diskussion die Zahl der Messungen deutlich erhöht. In einem Abstand von etwa vier Kilometern wurde in 7 110 Ortschaften die jeweilige Dosisleistung gemessen und in eine entsprechende Karte eingetragen. Die Messungen ergaben: In Deutschland beträgt die effektive Strahlendosis im Freien durchschnittlich 35 Nanosievert pro Stunde. Hinzugerechnet wird noch eine ortsunabhängige Belastung durch die kosmische Strahlung von durchschnittlich 36 Nanosievert. Die Karte sowie weitere Informationen können über eine Servicenummer des BfS (01 30/82 07 08) angefordert werden.
Viele bodengebundene Schadstoffe (Pestizide, Dünger etc.) versickern mit dem Regenwasser in das Grundwasser. Dies gilt auch für organische Luftschadstoffe, wie leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe und aromatische Kohlenwasserstoffe (Benzol, Toluol etc.). Mit etwa 2,1 Millionen Tonnen pro Jahr ist die Menge dieser Schadstoffe etwa so groß wie die der anorganischen Säurebildner. Diese alarmierenden Werte hat das Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene des Umweltbundesamts (UBA) in einem Forschungsvorhaben ermittelt. Die hohe Wasserlöslichkeit dieser Stoffe ist darauf zurückzuführen, daß durch die Sonneneinstrahlung aus leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffen beispielsweise Chloressigsäuren entstehen. Diese wiederum sind sehr wasserlöslich und erreichen durch weitere Umwandlungen im Boden das Grundwasser.
Für die Größe der Verunreinigung eines Grundwasserstockwerks ist unter anderem die Menge des Gesamtdurchflusses im Boden wichtig. Diese ist abhängig von der physikalischen Beschaffenheit der Böden, die sich unter anderem aus Porenvolumen, Korngröße und Wasserbindungsintensität ergibt. Treffen mehrere ungünstige bodenkundliche Voraussetzungen zusammen, kann das Grundwasser schnell kontaminiert werden. Die organischen Luftschadstoffe sind daher nicht nur wegen des Sommersmogs, sondern auch wegen der Verunreinigung unseres Grundwassers von Bedeutung.
Im Rahmen weiterer Forschungsprogramme werden die Ursachen der Grundwasserverschmutzung noch detaillierter erforscht. Vor allem zugelassene Pflanzenschutzmittel, die als wenig mobil im Boden galten, müssen aufgrund von Positivbefunden im Grundwasser neu beurteilt werden. Das Institut für Wasserforschung in Dortmund hat hierzu kürzlich ein Forschungsprojekt beendet. Bei einem Projekt der Universität in Gießen (Institut für Mikrobiologie) werden zur Zeit die Eintragswege von Pflanzenschutzmitteln untersucht. Ergebnisse sollen Mitte 1998 vorliegen. Etwa zur gleichen Zeit wird ein Forschungsprojekt der Universität Stuttgart beendet sein, welches sich mit der Elimination von Tetrachlorethen im Grundwasser beschäftigt.
Emissionen von Deponiegasen können in der Umgebung Geruchsbelästigungen verursachen. Die Olfaktometrie ist die klassische Methode, um die Geruchsintensität zu beurteilen. Gibt es, wie bei einer Deponie, mehrere Geruchsquellen, wird zusätzlich die sogenannte SF6-Tracermethode eingesetzt, um die Beiträge der einzelnen Quellen zu quantifizieren. Darüber hinaus können die Abluft von Tierhaltungen, das Ausbringen von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie die Staubbelastung auf fahrenden Arbeitsmaschinen Belästigungen für die Umwelt verursachen. Die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig entwickelt zur Zeit für diese Ausbreitungsvorgänge ein mathematisches Transportmodell, das gas- und partikelförmige Schadstoffe berücksichtigt, Hindernisumströmungen erfaßt und meteorologische Einflüsse einbezieht. Hauptziel ist es, die Ausbreitungsvorgänge im Nahbereich umströmter Hindernisse zu erfassen.


Dr. rer. nat. Claus Rink
Prof. Dr. med. Heyo Eckel
Prof. Dr. med. Ulrich Hüttemann


Rückfragen zur Karte: Georisk GmbH, Schloß Türnich, 50169 Kerpen, Tel 0 22 37/6 12 22
Rückfragen zum Text: Dr. Claus Rink, Fax 0 22 38/45 01 40, e-mail: RINK@compuserve.com, oder Rink.UDS.enviroreport@t-online.de

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