ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2009Schmerztherapie bei Kindern und Jugendlichen: Von Metamizol abraten

MEDIZIN: Diskussion

Schmerztherapie bei Kindern und Jugendlichen: Von Metamizol abraten

Pain Therapy in Children and Adolescents: Advise Against Metamizole

Dtsch Arztebl Int 2009; 106(4): 55; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0055c

Neumann, Joachim

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LNSLNS Die Autoren führen aus, Metamizol sei wegen seiner spasmolytischen Eigenschaften besonders bei viszeralen Schmerzen und Schmerzen mit kolikartigem Charakter indiziert.

Metamizol ist in einigen Ländern Europas, Lateinamerikas, Afrikas und Asiens zugelassen. In Ländern mit guten Systemen der Pharmakovigilanz, wie zum Beispiel Schweden, ist es nach einer kurzen Episode der Zulassung 1999 wieder vom Markt genommen worden. Metamizol war in Großbritannien und den USA nie zugelassen.

In einer Studie, die von der Firma Hoechst gesponsert wurde, betrug das Agranulozytose-Risiko unter Metamizol 1,1 zu 1 Million Anwender pro Woche (1). Neuere Daten aus Schweden widersprechen diesen Daten (2). So waren zwischen 1969 und 1974, dem Jahr der ersten Rücknahme vom Markt, 50 Patienten mit ernstzunehmenden unerwünschten Wirkungen von Metamizol auf das Blutbild in Schweden registriert worden. In den darauffolgenden 15 Jahren ohne Zulassung wurden zwei Patienten mit Agranulozytose gesehen. Beide hatten Metamizol im Ausland gekauft.

Von 1995, dem ersten Jahr der Wiederzulassung von Metamizol, bis 1999 wurden 14 Fälle von Agranulozytose dokumentiert, die Letalität lag bei insgesamt 23 %. Aus diesen Zahlen berechnete man, dass es eine Häufigkeit von 1 zu 1439 von bedrohlichen Blutbildveränderungen unter Metamizol gibt.

Aus klinisch-pharmakologischer Sicht ist deshalb vom Einsatz von Metamizol dringend abzuraten.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0055c

Prof. Dr. med. Joachim Neumann
Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
06097 Halle (Saale), E-Mail: sekr.pharmatox@medizin.uni-halle.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
The International Agranulocytosis and Aplastic Anemia Study. JAMA 1986, 256: 1749. MEDLINE
2.
Hedenmalm K, Spigset O: Agranulocytosis and other blood dyscradias associated with dipyrone (metamizole) Eur J Clin Pharmacol 2002; 58: 265. MEDLINE
3.
Zernikow B, Hechler T: Schmerztherapie bei Kindern und Jugendlichen. Dtsch Arztebl 2008; 105(28–29): 511–22. VOLLTEXT
1. The International Agranulocytosis and Aplastic Anemia Study. JAMA 1986, 256: 1749. MEDLINE
2. Hedenmalm K, Spigset O: Agranulocytosis and other blood dyscradias associated with dipyrone (metamizole) Eur J Clin Pharmacol 2002; 58: 265. MEDLINE
3. Zernikow B, Hechler T: Schmerztherapie bei Kindern und Jugendlichen. Dtsch Arztebl 2008; 105(28–29): 511–22. VOLLTEXT

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