ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2009Pertussis – nicht nur eine Kinderkrankheit: Schlusswort
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LNSLNS Wir freuen uns, dass unser Beitrag eine rege Diskussion zur Folge hatte. Dr. Mülleneisen macht auf Probleme der täglichen Praxis aufmerksam: Bei der serologischen Diagnostik der Pertussis werden in der Praxis häufig auch IgM-Antikörper bestimmt. Im Gegensatz zu anderen Infektionen ist die Bedeutung von IgM-AK bei Pertussis eher fraglich, da diese Antikörper vor allem mit dem Lipooligosaccharid und anderen Zellwandbestandteilen reagieren und daher häufig falsch positiv sind. Wie in unserem Beitrag ausgeführt, ist die Bestimmung der IgG- und IgA-AK gegen Pertussis-Toxin (PT) das am besten validierte und am wenigsten für Unspezifitäten anfällige Verfahren.

Bei der antibiotischen Therapie hatten wir schon auf das andere von Herrn Mülleneisen geschilderte Problem hingewiesen: Antibiotika sind bei länger bestehendem Husten zur Verbesserung der Symptomatik nicht wirksam, können aber die Weitergabe der Infektion verhindern.

Frau Dr.Windhövel beschreibt, dass die Gabe von Promethazin und Dihydrocodein bei einem erwachsenen Patienten erfolgreich war. Promethazin ist früher vereinzelt in Fallbeschreibungen erwähnt worden, ohne dass die Wirksamkeit beurteilt werden kann. Dihydrocodein wird meist als nicht wirksam angesehen. Andere denkbare hustenmildernde Medikamente wie Diphenhydramin, Salbutamol, Dexamethason und Pertussis-Immunglobulin wurden in kontrollierten Studien bei Kindern untersucht, eine Wirksamkeit hat sich nicht nachweisen lassen (1).

Kontrollierte Studien zur Therapie bei Erwachsenen liegen nicht vor. Dies schließt nicht aus, dass im Einzelfall Medikamente wirksam sind, eine Therapieempfehlung kann aber hieraus bislang nicht abgeleitet werden.

Die Frustration über das Fehlen einer Arzneimittel-therapie zur Linderung der quälenden Symptome hat Mitte des vergangenen Jahrhunderts dazu geführt, dass zum Beispiel für Kinder mit Pertussis sogenannte „Keuchhustenflüge“ organisiert wurden, bei denen die Patienten für einige Zeit im Flugzeug einem geringeren Sauerstoffdruck ausgesetzt waren.

Prof. Shah sorgt sich, dass der Gebrauch von Azithromycin bei Pertussis zu einer zunehmenden Resistenz von Streptoccus pneumoniae gegenüber diesem Makrolid führen könnte. Die aktuelle S3-Leitlinie sieht bei Atemwegsinfektionen Makrolide als erste Alternative zu Aminopenicillinen vor, wenn eine antibiotische Behandlung indiziert ist (2).

Eine soeben publizierte Studie sieht zwar unmittelbar nach Azithromycin-Gabe mehr Makrolid-resistente vergrünende Streptokokken, nach zwölf Wochen ist dieser Effekt jedoch nicht mehr vorhanden (3). Erythromycin-resistente Stämme von B. pertussis sind in den USA beschrieben worden, die durch eine Mutation der Bindungsstelle im bakteriellen 23S-ribosomalen RNA-Gen bedingt sind. Diese Mutation wurde bei einzelnen Stämmen schon in den 1980er Jahren gefunden; alle in Europa bislang getesteten Stämme sind Erythromycin-sensibel. Die Resistenzlage gegen Makrolide sollte auch in Zukunft durch die nationalen Referenzinstitutionen überwacht werden, eine generelle Testung aller Isolate erscheint nach wie vor nicht angebracht. Fluochinolone sind in vitro gegen B. pertussis gut wirksam, klinische Studien zu ihrem Einsatz bei Erwachsenen fehlen jedoch.

Zusammenfassend zeigt sich an der Diskussion erneut, dass die einzige effektive Maßnahme gegen Pertussis die vorbeugende Impfung aller empfänglichen Personen ist. DOI: 10.3238/arztebl.2009.0058

Prof. Dr. med. Carl Heinz Wirsing von König
Institut für Hygiene und Labormedizin
HELIOS Klinikum Krefeld
Lutherplatz 40
47805 Krefeld
E-Mail: carlheinz.wirsingvonkoenig@helios-kliniken.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Pillay V, Swingler G: Symptomatic treatment of the cough in whooping cough. Cochrane Database Syst Rev 2004: CD003257. MEDLINE
2.
S3-Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen tiefen Atemwegsinfektionen (akute Bronchitis, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis, Influenza und andere respiratorische Virusinfektionen sowie ambulant erworbener Pneumonie). MEDLINE
3.
Eisenblätter M, Klaus C, Pletz MWR, Orawa H, Hahn H, Wagner J, Lode H: Influence of azithromycin and clarithromycin on macrolide susceptibility of viridans streptococci from the oral cavity of healthy volunteers. Eur J CIin Microb Inf Dis 2008; 27: 1087–92. www.uni-duesseldorf.de/awmf
1. Pillay V, Swingler G: Symptomatic treatment of the cough in whooping cough. Cochrane Database Syst Rev 2004: CD003257. MEDLINE
2. S3-Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen tiefen Atemwegsinfektionen (akute Bronchitis, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis, Influenza und andere respiratorische Virusinfektionen sowie ambulant erworbener Pneumonie). MEDLINE
3. Eisenblätter M, Klaus C, Pletz MWR, Orawa H, Hahn H, Wagner J, Lode H: Influence of azithromycin and clarithromycin on macrolide susceptibility of viridans streptococci from the oral cavity of healthy volunteers. Eur J CIin Microb Inf Dis 2008; 27: 1087–92. www.uni-duesseldorf.de/awmf

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