ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2009Randnotiz: Dünnes Eis
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LNSLNS Es hatte einen Trend gegeben zu mehr postmortalen Organspenden, einen Hoffnungsschimmer also. Jetzt lösen die Zahlen, die die Deutsche Stiftung Organtransplantation für 2008 vorgestellt hat, Alarmstimmung aus: Knapp neun Prozent weniger Spender als 2007, die Zahl der gespendeten Organe sank unter 4 000. Es warten circa 12 000 Patienten. Fast reflexhaft wird auf solche Hiobsbotschaften hin gefordert, die Widerspruchslösung einzuführen. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe schlägt vor, einen Volksentscheid über eine solche Neuregelung in Betracht zu ziehen. Denn rund acht von zehn Bürgern seien Umfragen zufolge zur Spende bereit, aber nur etwa jeder Siebte habe sich schriftlich erklärt.

Aber die Frage an den Bürger, ob das Gesetz geändert werden sollte, wird diese Diskrepanz nicht auflösen. Ein Teil möchte sich nicht äußern. Wird nämlich in den Umfragen eruiert, wer demnächst einen Organspendeausweis ausfüllen wolle, schrumpft die Zahl derer mit positiver Absicht auf ein Drittel. Es ist fraglich, ob sich diese Menschen dem Druck einer Widerspruchslösung, bei der Schweigen Zustimmung bedeutet, aussetzen wollen.

Die Organspende bewegt sich auf dünnem Eis. Nicht nur wegen mangelnder Solidarität von Gesunden mit Kranken. Auch das Beziehungsgefüge in den „Spender“-Krankenhäusern ist angesichts des Konfliktpotenzials der Organspende extrem störanfällig: Sie muss nachrangig sein gegenüber der Behandlung von Intensivpatienten mit Aussicht auf Erfolg und hat bei hoher Arbeitsbelastung und dem Druck, ökonomisch zu arbeiten, oft keine Chance. Die Ressourcen, die nötig wären, um die Organspende effektiv und dennoch ethisch verantwortbar zu gestalten, scheint derzeit niemand finanzieren zu wollen.
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