ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2009Gezielte Stentimplantation nach Druckdrahtmessung

AKTUELL: Akut

Gezielte Stentimplantation nach Druckdrahtmessung

Dtsch Arztebl 2009; 106(4): A-110 / B-98 / C-94

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Unnötige Stentbehandlungen können vermieden werden, wenn bei der Herzkatheteruntersuchung zusätzlich eine Druckdrahtmessung durchgeführt wird, um Stenosen mit gestörtem Blutfluss zu finden. Zu diesem Ergebnis gelangt die FAME*-Studie (NEJM 2009, 360: 213–24), bei der 1 005 Patienten aus 20 Kliniken in Europa und den USA untersucht und bis zu einem Jahr nach dem Eingriff beobachtet worden sind. Bei der Druckdrahtmessung wird während einer Herzkatheteruntersuchung ein sehr dünner und flexibler Draht ins Herzkranzgefäß eingeführt, um die sogenannte fraktionale Flussreserve (FFR) zu bestimmen.

Im Rahmen der Studie behandelten die Mediziner eine Gruppe von KHK-Patienten mit medikamentenbeschichteten Stents, wobei die relevanten Engstellen per Angiografie festgestellt wurden. Die Vergleichsgruppe erhielt zusätzlich zur Angiografie eine Druckdrahtmessung. Die KHK-Patienten dieser Gruppe wurden nur dann mit einem Stent versorgt, wenn der Blutfluss eingeschränkt war. Als primärer Endpunkt zur Beurteilung des Behandlungserfolgs wurde das Auftreten eines schwerwiegenden kardialen Ereignisses (Tod, Herzinfarkt und erneute koronare Eingriffe) definiert.

Stents bei nicht relevanten Stenosen sind für die Patienten ohne Vorteil
In der rein angiografisch beurteilten Gruppe wurden durchschnittlich pro Patient 2,7 Stents eingesetzt, in der FFR-Gruppe lediglich 1,9 Stents. Ein schwerwiegendes Ereignis trat in der Angiografie-Gruppe bei 18,3 Prozent der Patienten auf, in der FFR-Gruppe nur bei 13,2 Prozent (p = 0,02). Die Kosten der Behandlung waren trotz des Messdrahts in der FFR-Gruppe deutlich niedriger als in der Angiografie-Gruppe. „Die Frage ist heutzutage nicht mehr, ob wir Engstellen mit einem Stent versorgen können, sondern ob wir die richtigen Engstellen identifizieren, die wirklich einen Stent benötigen“, erklärt Prof. Dr. med. Volker Klauss (Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München) als deutscher Koautor der Studie. „Wir wissen, dass nur die Versorgung von Engstellen, die den Blutfluss beeinträchtigen, die Symptome und die Prognose der Patienten verbessert, dass aber die Stentbehandlung von nicht relevanten Engstellen keine Vorteile bringt. Mit der Messung der FFR, die in jedem Herzkatheterlabor einfach einsetzbar ist, können bei nicht relevanten Engstellen unnötige Stentbehandlungen vermieden werden“. zyl

* FAME = Fractional Flow Reserve versus Angiography for Multivessel Evaluation
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