ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2009Priorisierung: Über neue Ansätze nachdenken
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Die Fortschritte in der medizinischen Patientenversorgung sind beachtlich. Die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass unser Gesundheitssystem in absehbarer Zukunft nicht mehr bezahlbar ist. Dieser Tatbestand steht als Menetekel über allen Beiträgen der Beteiligten im Gesundheitssystem anlässlich der Serie „Wortwechsel“ des Deutschen Ärzteblattes. Priorisierung der Leistungen ist nun das Zauberwort zur Lösung dieses Dilemmas, mit dem man das Abgleiten in eine Zweiklassenmedizin oder Rationierung der Leistung verhindern will. Die Skandinavier haben diesen Schritt als Ausweg mit ungewissem Ausgang bereits gewählt. Hierbei handelt es sich meines Erachtens nicht um einen grundsätzlich neuen Ansatz, sondern vielmehr um einen mehr formalisierten Vorgang der externen Entscheidungsfindung. Das Setzen von Prioritäten ist für Mediziner, auch wenn sie dies in Diskussionen selten erwähnen, tägliche Praxis am Krankenbett. Es ist sogar im Sinne des Patienten notwendig und hat bisher nicht zu ethischen Konflikten geführt. Zur Kostenbegrenzung hat dies aber nicht geführt, sodass es höchste Zeit wird, über neue Ansätze nachzudenken. Ich bin sicher, dass auch eine externe Priorisierung der Leistungen uns Ärzten diese Arbeit nicht ersparen wird. Da Ärzte mit den von Ihnen verordneten Maßnahmen Kosten generieren, wird eine wichtige Frage sein, wer mit welcher Ausbildung in Zukunft am Krankenbett über sinnvolle und nicht sinnvolle Maßnahmen entscheiden kann. Die Tatsache, dass das Neueste und Teuerste nicht immer das Beste für den Patienten ist, gehört bekanntlich zum Erfahrungsschatz eines gut ausgebildeten Mediziners. Meines Erachtens gibt es daher nur einen Ausweg aus diesem Dilemma, nämlich das autarke Denken in Spezialistentum kritisch zu hinterfragen und in unserem Ausbildungssystem die breite, wissenschaftlich fundierte Ausbildung der jungen, klinisch tätigen Mediziner und Funktionsträger mehr zu fordern als bisher, um bessere, kritische und entscheidungsfähige Mediziner zu generieren . . .
Prof. Dr. med. habil. Uwe Peters, Heyenbaumstraße 130 a, 47802 Krefeld
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