ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2009Wireless Local Area Network im Krankenhaus: Hotelkomfort im Krankenzimmer

TECHNIK

Wireless Local Area Network im Krankenhaus: Hotelkomfort im Krankenzimmer

Wettberg, Roland

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Mit der Einrichtung einer WLAN-Infrastruktur geht das Klinikum Freising nicht nur in Sachen Patientenkomfort neue Wege. Auch das Personal profitiert.

Das Klinikum Freising versorgt als akademisches Lehrkrankenhaus der Technischen Universität München rund 17 000 Patienten jährlich. Als erste Gesundheitseinrichtung in Bayern hat das Klinikum für seine Patienten gegen eine Tagespauschale von 3,50 Euro unbegrenzte Telefonate eingeführt. Gleichzeitig werden kostenfreies Fernsehen und ein schneller Internetzugang von jedem Bett aus angeboten.

Grundlage dieser Angebote ist eine Wireless-LAN-Infrastruktur (ein „drahtloses“ lokales Funknetz), die das Klinikum gemeinsam mit dem technischen Partner Siemens Enterprise Communications installiert hat. Dazu wurde die Klinik zunächst mit einem speziellen Tool ausgeleuchtet, um die optimale Abdeckung mit der Funktechnik zu erreichen. Gleichzeitig wurde so ermittelt, an welchen Stellen die Access Points (Funkzugangsknoten) für den Aufbau des Funknetzes in optimaler Weise zu positionieren sind.

Die Funkwellen im WLAN werden mit 54 Mbit/s im 2,4-GHz-Band übertragen. Damit erzielt jeder Access Point eine gebäudeabhängige Reichweite von bis zu 30 Metern bei einer maximalen Sendeleistung von 100 mW. Die genaue Dimensionierung einer solchen Installation ist allerdings immer eine Gratwanderung. Um Probleme zu vermeiden, beschränkt sich die Funkabdeckung deshalb bislang auf diejenigen Klinikabschnitte, in denen die Patienten einen drahtlosen Internetzugang benötigen. Vom internen Kliniknetz ist das WLAN strikt getrennt.

Ein „Internet Access Controller“ (IAC) verwaltet den gesamten Datenverkehr und kann bei Bedarf verschiedene Anwendungen, die über das Funknetz laufen, voneinander separieren. Über den IAC ist das Wireless-LAN mit einem Internetserviceprovider verbunden, der zu einer monatlichen Flatrate den Internetanschluss mit einer Bandbreite von 16 Mb/s bereitstellt. Die Patienten können diesen Zugang ähnlich wie an einem öffentlichen Hotspot nutzen.

Im härter werdenden Wettbewerb profiliert sich das Klinikum Freising durch besondere Kommunikationsdienste, wie etwa schnelles Internet am Krankenbett. Fotos: Klinikum Freising
Im härter werdenden Wettbewerb profiliert sich das Klinikum Freising durch besondere Kommunikationsdienste, wie etwa schnelles Internet am Krankenbett. Fotos: Klinikum Freising
Schnelle Alarmierung
Doch nicht nur die Patienten, auch das Personal profitiert von der neuen Lösung, die auf Basis der Kommunikationsplattform „HiPath 4000“ realisiert worden ist. So erhielten etliche Mitarbeiter zusätzlich zu den Festnetztelefonen am Arbeitsplatz schnurlose Endgeräte, die nach dem DECT-Standard (Digital Enhanced Cordless Communication) arbeiten. Sie ersetzen die bisher üblichen Piepser zur Alarmierung von Ärzten und Pflegepersonal. Dazu musste ein digitaler Alarm- und Kommunikationsserver („HiPath DAKS“), über den sich die Rufe an einen vorher festgelegten Personenkreis schicken lassen, in die Kommunikationslösung integriert werden.

Während früher auch für weniger dringende Fragen der Piepser ausgelöst wurde und der Betreffende zum nächsten Telefon eilen musste, lassen sich Ärzte oder Krankenschwestern jetzt direkt schnurlos erreichen. Sie können über das mobile Endgerät Rückfragen durchführen und unmittelbar mit dem Hilfesuchenden sprechen – das erspart viel Lauferei und unnötige Arbeit. Die Patienten schätzen zugleich die Gewissheit, dass ihr Alarm auf jeden Fall wahrgenommen wird.

Der Alarm- und Kommunikationsserver ermöglicht außerdem das Einleiten von Telefonkonferenzen mit mehreren Teilnehmern sowie die gleichzeitige Benachrichtigung sämtlicher Telefone im Gebäude im Katastrophenfall – etwa bei Ausbruch eines Feuers. Auch die Verbindung mit dem „HiPath-Positioning-System“ ist in Freising geplant. Diese Ortungslösung nutzt das vorhandene DECT-System oder die Access Points des WLAN zur Positionsbestimmung und ermöglicht zum Beispiel einen automatischen Notruf in Gefahrensituationen und lotst Hilfskräfte rasch an den richtigen Ort. Gleichzeitig können darüber auch mit Funkchips (RFID) ausgestattete medizinische Geräte, Spezialbetten oder Transportmittel schneller gefunden werden. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Kosten.

Roland Wettberg, Projektverantwortlicher
bei Siemens Enterprise Communications, E-Mail: roland.wettberg@siemens.com
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