ArchivDeutsches Ärzteblatt19/1997Diagnostische Molekularpathologie

MEDIZIN: Diskussion

Diagnostische Molekularpathologie

Dietel, Manfred; Bredt, W.

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Manfred Dietel in Heft 44/1996
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Anmerkungen des Mikrobiologen
So sehr der molekulare Nachweis von Erregern im histopathologischen Material zu begrüßen ist, den "einzig möglichen Weg" stellt er bei den genannten Beispielen sicherlich nicht dar. In den meisten Fällen können die Erreger aus der Probe angezüchtet werden und stehen damit für die Gewinnung weiterer Informationen (zum Beispiel Quantifizierung, Resistenz) zur Verfügung. Entsprechende molekulare Methoden werden, wenn erforderlich, im diagnostischen Labor aller mikrobiologischen Fachdisziplinen auch an Gewebeproben ausgeführt. Sie werfen, beispielsweise beim Nachweis von Mycobacterium tuberculosis ohne entsprechende klinische Symptomatik, nicht selten schwierige Interpretationsprobleme auf.
Der Katalog (Tabelle 2) möglicher Erreger überzeugt keineswegs, er erinnert eher an eine Aufzählung schwer anzüchtbarer Keime. Der Pathologe wird es kaum jemals mit Bordetella pertussis zu tun haben. Der Nachweis von Clostridium difficile wird, da er nicht selten auch ohne Symptome gelingt, den Pathologen nicht klüger machen, und Helicobacter pylori läßt sich vorzüglich anfärben. Dagegen fehlt Tropheryma whippeli, ein Keim, bei dem der Nachweis im Gewebe eine einzigartige Möglichkeit bietet. Für Trichomonas vaginalis bedarf es nun wirklich nicht der PCR, und was haben Mycoplasmen unter der Rubrik "Parasiten, Pilze und andere Erreger" zu suchen?
Insgesamt vermisse ich einen kritischen Hinweis zum Notwendigen und Wünschenswerten. Die Amplifikationsmethoden sind recht teuer, und in den meisten Fällen kann das gleiche Ergebnis mit weniger Aufwand erhalten werden. Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie hat hierzu eine recht restriktive Stellungnahme abgegeben. Ebenfalls vermißt habe ich einige Worte über die sicherlich für den Pathologen hochinteressante Möglichkeit der In situ-PCR. Auch wenn sie derzeit noch stark fehlerbehaftet ist, stellt sie sicherlich eine der interessantesten Entwicklungen dar.
Auf keinen Fall darf der fatale Eindruck entstehen, Biopsiematerial könne nun bedenkenlos stets und vollständig in Formalin konserviert werden. Dies ist leider jetzt schon häufig genug der Fall, und der Artikel ist in seiner Diktion geeignet, diese schlechte Angewohnheit der Einsender zu verstärken. Der "Diagnostische Molekularpathologe" steht ein bißchen als diagnostischer Allvater da. Die besten Erfolge für den Patienten und die Wissenschaft haben wir selbst bisher stets in der engen Kooperation zwischen unseren beiden diagnostischen Disziplinen erzielt.


Prof. Dr. med. W. Bredt
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Hermann-Herder-Straße 11
79104 Freiburg


Schlußwort
Um am Anfang gleich den Grundkonsens (wieder) herzustellen, sei betont, daß ich die Auffassung, beide Fächer - Mikrobiologie und Pathologie - sollten möglichst eng diagnostisch und wissenschaftlich zusammenarbeiten, uneingeschränkt teile. Ich hielte es darüber hinaus für angezeigt, wenn die Fachgesellschaften die sich zukünftig möglicherweise ergebenden Überschneidungen benennen und die resultierenden Fragen einvernehmlich klären. Keiner will sich auf Kosten des anderen ausbreiten.
Der vom Kollegen Bredt vermißte Hinweis zum Notwendigen und Wünschenswerten ist im letzten Absatz des Beitrages meines Erachtens sehr deutlich erfolgt, wenn dort geschrieben steht: " . . . ist allerdings eindringlich auf die Notwendigkeit der kritischen und sorgfältigen Auswahl der einzusetzenden Zusatzuntersuchungen hinzuweisen".
Zu den Einzelpunkten:
! Der Erregernachweis bei immunsupprimierten Patienten kann sicher nicht nur am histologischen Schnitt erfolgen. Dieser Punkt wurde zugegebenermaßen unklar ausgedrückt. Gemeint war, daß in zahlreichen klinischen Situationen, zum Beispiel nach einer Gewebsentnahme, die molekularpathologische Aufarbeitung eine einzigartige Hilfe ist.
! Die Interpretationsprobleme beim Nachweis von Mycobacterium tuberculosis mit ausschließlich molekularen Methoden sind voll zu bestätigen, deshalb ist der kombinierte Einsatz von histologischer und molekularer Pathologie nicht selten von großem Nutzen.
! Die Tabelle 2 hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollte lediglich auf die vielfältigen Möglichkeiten hinweisen. Es war selbstverständlich auf gar keinen Fall gemeint, daß jede Untersuchung bei jedem Patienten durchgeführt werden soll. Die Anregung zu Tropheryma whippeli wird gern aufgenommen.
! Nach ausführlichen Untersuchungen zur In-situ-PCR ist festzustellen, daß zumindest in unserem Labor dies eine sehr "launische" Methode ist, die nicht zur Diagnostik herangezogen werden sollte. Um einer möglicherweise unkritischen Anwendung vorzubeugen, wurde sie nicht erwähnt.


Prof. Dr. med. Manfred Dietel
Institut für Pathologie der Charité
Humboldt-Universität zu Berlin
Schumannstraße 20-21
10117 Berlin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote