ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2009Gesundheitliche Auswirkungen von Fluglärm: Lärmwirkungsforschung gehemmt
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LNSLNS Kaltenbach et al. vertreten die Auffassung, dass Beziehungen zwischen äußeren Einwirkungen und negativen Folgen – etwa Krankheit, Schlaf- und Lernstörungen – nur durch epidemiologische Studien nachweisbar seien. Das ist in dieser Ausschließlichkeit nicht haltbar und hemmt die Lärmwirkungsforschung. Die Autoren verallgemeinern, obwohl die Verfasser aller angeführten Studien sehr vorsichtig mit der Interpretation ihrer Ergebnisse umgehen, die nur selten im Signifikanzbereich liegen und teilweise inkongruent sind. Es fehlt eine kritische Auseinandersetzung und Bewertung der zitierten Studien. Die Diskussion zu den Nachtlärmwirkungen spiegelt den Erkenntnisstand nicht wider. Die bei nahezu allen epidemiologischen Studien zugrunde liegenden Mittelungspegel sind wenig wirkungsäquivalent. So fordern seit langem auch die wichtigsten im Lärmschutz organisierten Verbände (BUND, Bundesvereinigungen gegen Schienenlärm, Bundesvereinigung Fluglärm, Deutscher Arbeitsring für Lärmbekämpfung, Verkehrsclub Deutschland), den Maximalpegeln und ihren Häufigkeiten Aufmerksamkeit zu schenken. Es stimmt nicht, dass die kritisierte Synopse die von Kaltenbach et al. als wenig relevant angesehenen Aufwachreaktionen zur Bewertungsgrundlage heranzieht, sondern es sind die abgeleiteten Kortisolspiegel als mögliches Bindeglied zu langfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die in der Möglichkeitsform angegebenen Begrenzungspegel der Autoren sind aus der Literatur nach wissenschaftlichen Kriterien nicht zu begründen. Fraglos kann Lärm die Gesundheit beeinträchtigen, sodass Lärm als möglicher ubiquitärer Stressor zu reduzieren ist. Dazu will vor allem die Synopse, gestützt auf wirkungsgerechte Kausalzusammenhänge, aber auch das Fluglärmgesetz beitragen. DOI: 10.3238/arztebl.2009.0071a

Prof. Dr. Manfred Spreng
Lange Zeile 121, 91054 Erlangen

Interessenkonflikt
Der Autor übt Gutachtertätigkeiten aus und hält Vorträge bei Flughafenausbau, Schienenlärmbetroffenen und bei staatlichen Maßnahmen.
1.
Kaltenbach M, Maschke C, Klinke R: Gesundheitliche Auswirkungen von Fluglärm. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(31, 32): 548–56. VOLLTEXT
1. Kaltenbach M, Maschke C, Klinke R: Gesundheitliche Auswirkungen von Fluglärm. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(31–32): 548–56. VOLLTEXT

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