ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2009Hörprobleme: Posaune führt nicht zum Gehörschaden
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In dem Artikel wird geschildert, dass ein Posaunist aufgrund der hohen „Lärmbelastung“ im Orchester drei Hörstürze erlitten habe. Der Schalldruck von den Bläsern und vom Schlagzeug sei so hoch gewesen, dass das Gehör des Posaunisten nun ein drittes Mal mit einem Hörsturz reagiert hätte. Nach der Leitlinie „Hörsturz“ der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie ist ein Hörsturz eine plötzlich auftretende Schallempfindungsstörung, die ohne erkennbare Ursache auftritt. Deshalb spricht man auch von einem idiopathischen Hörsturz. Ein akuter Hörverlust wird dann als Hörsturz bezeichnet, wenn keine Ursachen für den plötzlichen Hörverlust festgestellt werden können. Wie wir heute wissen, kann der Schalldruckpegel insbesondere von Schlagzeug, Holzbläsern und Blechbläsern sehr hoch sein und liegt als Tages- oder Wochenexpositionspegel in vielen Fällen über der gehörschädigenden Grenze von 85 Dezibel (A). Deshalb ist in Einzelfällen bei Orchestermusikern mit (leichten) symmetrischen Hörverlusten im Hochtonbereich, sogenannte C5-Senke, zu rechnen. Der mittlere Schallpegel von Blechinstrumenten (Saxophon, Trompete, Posaune) liegt bei 95 Dezibel (A), Spitzenpegel liegen bei 115 Dezibel (C), siehe „Safe and Sound“, Ratgeber zur Gehörerhaltung in der Musik- und Entertainmentbranche (2008). Nach dem gerade erschienenen Merkblatt zur Berufskrankheit Lärmschwerhörigkeit Nr. 2301 der BKV können aber akute Gehörschäden erst ab Spitzenpegeln von mehr als 137 Dezibel (C) auftreten. Daraus ergibt sich, dass der Schalldruckpegel einer Posaune nicht geeignet ist, zu einem akuten Gehörschaden zu führen. Der in dem Artikel erwähnte Posaunist hat sicherlich – wie Sie schreiben – einen oder mehrere Hörstürze erlitten. Diese sind jedoch nicht durch die sicher recht hohen Schallpegel im Orchester bedingt. Im Übrigen ist der Hörsturz eine sehr häufige Erkrankung in der Bevölkerung. Man rechnet in Deutschland mit einer Inzidenz von 160 idiopathischen Hörstürzen pro 100 000 Einwohner pro Jahr, also ca. 130 000 Hörstürzen jährlich.

Prof. Dr. med. T. Brusis, Institut für Begutachtung, Dürener Straße 199–203, 50931 Köln
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