ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2009Diätshow „The biggest Loser“: Unwürdiges Spektakel

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Diätshow „The biggest Loser“: Unwürdiges Spektakel

Tuffs, Annette

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Als strenge Zuchtmeisterin der „Super-Sizer“ präsentiert sich die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt. Foto: ProSieben
Als strenge Zuchtmeisterin der „Super-Sizer“ präsentiert sich die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt. Foto: ProSieben
Es gibt Fernsehsendungen, die sollte es nicht geben. „The Biggest Loser“ gehört dazu. Mit der sechsteiligen Staffel, zur besten Abnehmzeit nach Weihnachten gestartet, will der Privatsender Pro7 den Erfolg des gleichnamigen US-Vorbilds wiederholen. Was in dem „Super-Size“-Land USA funktioniert, erscheint im deutschen Fernsehprogramm dämlich und menschenverachtend.

Schwergewichte wie die 14 Kandidaten, die individuell bis zu 194 Kilo auf die Waage bringen, werden zwar auch hierzulande häufiger – Ärzte und Kliniken stellen sie vor ganz neue Probleme –, dennoch machen sie glücklicherweise nicht rund 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung aus wie in den USA. Mit dem „normalen“ Abnehmen, das jeder Zweite kennt, hat die TV-Radikalkur nichts zu tun. Die Devise ist: Gewicht verlieren in kürzester Zeit um jeden Preis. Der „Biggest Loser“ wird mit 100 000 Euro belohnt. Ohne großen Unterhaltungswert strampeln sich die beiden Kandidatenteams unter der Knute eines Trainers im Fitnessraum einer ungarischen Fastenhazienda ab, kochen gemeinsam Diätgerichte und tragen lächerliche Wettkämpfe gegeneinander aus.

Dazu kommt der Psychoterror in der Gruppe: Nicht nur der Einzelne und sein Erfolg zählen, sondern das Team. Wer zuviel wiegt, sportlich versagt, krank oder aufmüpfig wird, wird von seinen Teammitgliedern nach Hause geschickt. Strenge Zuchtmeisterin ist Katarina Witt, offensichtlich prädestiniert für den Job, da sie Disziplin in den harten Tagen ihrer Eislaufkarriere gelernt hat.

Warum machen erwachsene Menschen dieses unwürdige Spektakel mit? Abnehmen und gleichzeitig Absahnen ist verlockend. Die Einspielfilme zu den Kandidaten legen nahe, dass diese unbewältigte psychische und soziale Probleme haben, die besser hinter der Kamera bearbeitet würden.

Für den Sponsor, die private Schönheitsklinikkette Mang Medical One, könnte sich das Engagement auszahlen, denn in ihrem Angebot hat sie nicht nur die üblichen Schönheitskorrekturen für Rundungen wie Fettabsaugung und Straffung, sondern auch das ambulante Einsetzen eines sättigenden Magenballons. Beim Anblick der schwitzenden Kandidaten könnte man leicht auf die Idee kommen, dass schon ein kleiner Eingriff den Abnehmstress ersparen würde. Annette Tuffs
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