ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2009Ausstellung: „Fundsache Luther“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Dass der Reformator Dr. Martin Luther ein Dauerpatient war, ist weitgehend unbekannt. Sein schlimmstes Leiden war ein ausgeprägter Tinnitus, der ihn zeitweise an den Rand des Wahnsinns trieb, und er litt an Ohnmachtsanfällen. Sein Freund und Hausapotheker Lucas Cranach mixte ihm immer neue Rezepturen, auch gegen seine ausgeprägten Verdauungsprobleme, die einerseits von Völlerei, dann von übertriebener Askese herrührten. Eine Vielzahl der zur damaligen Zeit üblichen Medizingefäße wurde bei der Grabung im Garten seines Hauses in Wittenberg gefunden, auch ein als „Nönnchen“ bekanntes Glasfläschchen für flüssige Arzneien.

Archäologische Ausgrabungen an den drei Lutherstätten Eisleben (Geburtshaus), Mansfeld (Elternhaus) und Wittenberg lassen den Reformator in neuem Licht erscheinen. Keineswegs waren seine Eltern arm, wie er selbst behauptet. Als 1505 im Mansfelder Elternhaus zwei seiner Brüder an der Pest starben, wurden kostbare Gürtel- und Gewandbeschläge sowie 300 Silbermünzen und andere Utensilien in eine tiefe Grube geworfen. Eine als Leihgabe ausgestellte, grausig anzusehende Pestmaske sollte Ärzte vor einer Ansteckung schützen. Vermutlich aus Angst vor dieser Pest, nicht allein wegen eines Blitzschlags, schwor Luther, Mönch zu werden. Die äußerst ideenreich konzipierte Ausstellung vermittelt ein interessantes und teilweise neues Bild des Reformators.

Informationen: Die Ausstellung „Fundsache Luther“ im Landesmuseum für Vorgeschichte, Richard- Wagner-Straße 9, 06114 Halle/Saale, ist bis zum 26. April zu sehen. Der Ausstellungskatalog (Theiss-Verlag, 343 Seiten) kostet broschiert 24,90, gebunden 29,90 Euro. Internet: www.fundsache-luther.de. Im Obergeschoss des Museums ist als ständige Ausstellung die „Himmelsscheibe von Nebra“ zu sehen. Internet: www.himmelsscheibe.de.
Renate V. Scheiper
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema