ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2009Börsebius: Arroganz weicht der Not

GELDANLAGE

Börsebius: Arroganz weicht der Not

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Unternehmensanleihen mit guten und soliden Ausstattungen waren in der Vergangenheit für Kleinanleger kein Thema. Aber nicht, weil sie die Bonds mangels Interesse nicht haben wollten, sondern weil sie schlichtweg chancenlos waren, an die begehrten Papiere zu kommen.

Das schnöde In-die-Ecke-Stellen kleinvolumiger Sparer hängt eng mit MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) zusammen, dahinter verbirgt sich eine Transparenzrichtlinie, die im EU-Harmonisierungsstreben, manche sagen auch Wahn dazu, erlassen wurde, um den Kapitalmarkt transparenter zu machen und Anleger besser zu schützen.

Das durchaus wünschenswerte Ziel „Anlegerschutz“ endete im Ergebnis in einem fulminanten Papierkrieg sowohl beim Anleger als auch bei den Emittenten, und ob es eben diesem Anlegerschutz nun etwas gebracht hat, darüber streiten die Experten, wenn es sein muss, nächtelang.

Wie auch immer, in den Konzernzentralen wurde kurzer Prozess gemacht und die Kleinanleger einfach aus dem Rennen geworfen. Wenn nämlich die auszugebenden Anleihen groß genug gestückelt werden, also eine Mindestanlagesumme von 50 000 Euro aufgerufen wird, dann greifen die MiFID-Regeln nicht (mehr), und der ganze Papierkram geht über die Wupper. Vor MiFID hatten 92 Prozent aller Anleihen eine Stückelung von 1 000 Euro, nach der Einführung verblieb nur noch ein karges Drittel. Also, warum sich Arbeit machen mit dem Sparerkleinzeugs, wo es doch auch anders geht, war die konsequente Devise der Herren Finanzchefs.

Mit der Arroganz hat es neuerdings offenbar ein Ende. Wie aus heiterem Himmel nimmt die Zahl der Emissionen mit Tausenderstückelung wieder zu, und zwar in erheblichen Ausmaßen.

Des Rätsels Lösung für die Wiederentdeckung des kleinen Mannes liegt schlichtweg in der Finanzmarktkrise begründet. Im großen Stil sind die Papiere einfach nicht mehr absetzbar, mangels klammer Kassen vieler Großinvestoren und Hedgefonds. Zu den Unternehmen, die erstmals seit Jahren wieder an den Privatanleger herantreten, gehört etwa der Autobauer Daimler mit einer fünfjährigen Anleihe über zwei Milliarden Euro.

Aber Achtung. Nicht alle Unternehmensanleihen sind eines Blickes würdig. Nur die erste Garde deutscher Unternehmen sollte in das Depot gelassen werden. Alles andere wäre fatal.
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