ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2009Tauchmedizin auf den Seychellen: Als Arzt auf Zeit im Paradies

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Tauchmedizin auf den Seychellen: Als Arzt auf Zeit im Paradies

Dtsch Arztebl 2009; 106(5): A-213 / B-181 / C-173

Berg, Detlef

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Nach der Arbeit wartet der Indische Ozean: Für den begeisterten Taucher Hendrik Kühling (33) war der Einsatz auf den Seychellen eine perfekte Verbindung von Job und Urlaub. Foto: Detlef Berg
Nach der Arbeit wartet der Indische Ozean: Für den begeisterten Taucher Hendrik Kühling (33) war der Einsatz auf den Seychellen eine perfekte Verbindung von Job und Urlaub. Foto: Detlef Berg
Hendrik Kühling opferte einen Teil seines Jahresurlaubs und praktizierte als Taucherarzt auf Silhouette Island.

Die Seychellen gelten als Inbegriff eines Traumurlaubs. Das Archipel mitten im Indischen Ozean umfasst etwa 100 verstreute Inseln sowie zahllose Riffe und Sandbänke. Von Massentourismus blieben die Seychellen dank der besonderen Tourismuspolitik des Inselstaates verschont. Sie lässt nur eine bestimmte Anzahl an Gästebetten pro Insel zu. Die Exklusivität hat ihren Preis: Die überwiegend in der Luxuskategorie angesiedelten Resorts zählen zu den teuersten weltweit.

Auch für Hendrik Kühling, einen begeisterten Taucher, sind die Seychellen eine Traumdestination: Die dortige Unterwasserwelt gehöre zu den schönsten Tauchgebieten auf der Welt, meint der Facharzt für Chirurgie: „Die Gewässer sind noch nicht überfischt, große Teile stehen unter Naturschutz.“ Oft genüge schon das Schnorcheln, um sich in eine völlig andere Welt zu begeben – „die volle Meeresvielfalt bleibt aber dem Taucher vorbehalten“. Um seinen Urlaubstraum auf den Seychellen verwirklichen zu können, arbeitet er als Arzt auf Zeit auf Silhouette Island. „Voraussetzung für einen solchen Einsatz ist eine abgeschlossene Ausbildung als Tauchmediziner“, sagt Kühling, der ansonsten im Krankenhaus Ludmillenstift im emsländischen Meppen arbeitet und für diesen Seychellen-Aufenthalt einen Teil seines Jahresurlaubs nutzt. Da spezielle Probleme der Tauch- und Überdruckmedizin nach wie vor nicht Gegenstand des Medizinstudiums und der Facharztausbildung sind, hat der Chirurg einen mehrtägigen Lehrgang für Tauchmedizin der Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin in Halle/Saale erfolgreich absolviert. „Im Kurs hatten wir ausgiebig Gelegenheit, an der Therapiedruckkammer zu trainieren, um dann selbstständig eine Überdruckbeatmung eines in der Druckkammer Liegenden mit reinem Sauerstoff durchführen zu können.“ Die erfolgreichen Kursteilnehmer können bei der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e.V. das europäische Diplom „Medical Examiner of Divers“ beziehungsweise „Diving Medicine Physician“ erhalten.

Die Vermittlung für den Einsatz im Indischen Ozean erfolgte über die Organisation „Resortdoc“. Betrieben werden die Medical Center vom jeweiligen Hotelkonzern. Die Ärzte arbeiten selbstständig und in alleiniger Verantwortung. Vergeben werden die begehrten Plätze im Windhundprinzip. „Die Organisation hat gut geklappt“, erzählt Kühling. Wertvolle Informationen zur Vorbereitung habe er im Internet von seinen Vorgängern gefunden. Wichtig seien neben den fachlichen Voraussetzungen die Beherrschung der englischen Sprache, ein gewisses Improvisationstalent sowie eine Einfühlsamkeit für Patienten aus einem fremden Kulturkreis.

Für die rund 150 Inselbewohner von Silhouette Island, die 400 Hotelangestellten und die maximal 220 Gäste des Labriz Resorts kann der Chirurg ein gut ausgestattetes Medical Center nutzen. Es verfügt über eine moderne Druckkammer zur Therapie von Tauchunfällen, ein Patientenzimmer, Spirometrie- und EKG-Geräte und sogar einen Röntgenapparat. Wichtig für Kühling ist auch, dass er auf gut gefüllte Medikamentenschränke zurückgreifen kann. „Meistens waren es aber nur kleine Verletzungen und HNO-Probleme, die ich bisher behandeln musste“, berichtet Kühling. Allerdings habe er auch schon einen Herzinfarktpatienten behandeln müssen.

Von montags bis freitags haben Kühling und eine einheimische Krankenschwester jeweils drei Stunden am Vor- und Nachmittag Sprechzeit. „Wir haben immer etwas zu tun, und zwischendurch klingelt oft das Telefon. Patienten berichten über Genesungsfortschritte oder haben einfach Fragen“, erläutert der Arzt. Während die Einheimischen in den Vorzug einer kostenlosen Behandlung kommen, werden die Hotelgäste zur Kasse gebeten. Der dabei erforderliche Verwaltungsaufwand sei aber sehr gering. Dies sei einer der auffälligen Unterschiede zur Arbeit in Deutschland: „Dazu kommt, dass die medizinische Arbeit hier sehr geschätzt wird. Das ist bei uns in Deutschland nicht immer so.“ Zu diesem guten Gefühl komme ein gutes Maß an Praxiserfahrung, das man nach der Zeit mit nach Hause nehmen könne.

Der Einsatz sei eine angenehme Verbindung von Arbeit und Urlaub. Neben den Sprechstunden und der Rufbereitschaft bleibe immer noch Zeit für einen täglichen Tauchgang. Als Arzt genießt Kühling mit seiner Partnerin im Fünfsternehotel Labriz Gästestatus und kann auch sämtliche Einrichtungen des Hauses in Anspruch nehmen. Das in einen Regenwald eingebettete und direkt an einem zwei Kilometer langen Sandstrand gelegene Resort ist das einzige auf der drittgrößten Seychelleninsel. Es bietet 121 luxuriös ausgestattete Villen, vier Restaurants, ein exklusives Spa und das PADI-Tauchzentrum mit Tauchkursen für Einsteiger und Fortgeschrittene. Durch die einzige Dekompressionskammer auf den Seychellen und die ärztliche Betreuung ist auch ein Höchstmaß an Sicherheit für die Tauchsportler gegeben.

Ärzte, die sich für einen Einsatz auf den Seychellen interessieren, können sich auf der Internetseite von Resortdoc (www.resortdoc.com) informieren und Kontakt mit Dr. med. Hendrik Liedtke und Dr. med. Andreas Fichtner aufnehmen. Wer dagegen perfekte Urlaubstage ohne Verpflichtungen genießen will, kann natürlich auch einfach Urlaub auf den Seychellen machen.
Detlef Berg
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Avatar #738291
Ralph Steller
am Samstag, 30. Dezember 2017, 22:03

Absolute Verarsche!

Hi ... ;-)

2011 war ich das erste Mal für Reosortdoc auf den Malediven.
Hinter dieser Organisation verbirgt sich eine Personalvermittlungs-Agentur, die Deutsche Ärzte auf die Malediven und Seychellen vermittelt.
Dort werden dann für die Hotels Sprechstunden für Personal und Gäste angeboten.
Im Allgemeinen bedeutet das: Alle 2 Tage für 4 Stunden Sprechstunde und 20 Stunden Rufbereitschaft. Dafür bekommt der Arzt den Flug und mit einer Begleitperson Unterkunft und Verpflegung bezahlt.
Ob es sich wirklich lohnt, alle 2 Tage 24 Stunden Dienst zu tun, sollte man sich gut überlegen.
Aber es gibt auch diverse rechtliche Probleme:
Die "steuerwerten Vorteile" sind eigentlich zu versteuern. Das macht natürlich keiner und sich damit strafbar.
Eine geforderte Nebentätigkeitserlaubnis beim Deutschen Arbeitgeber holt generell keiner ein.
Eine Arbeitserlaubnis vor Ort gibt es nicht (Tourist-Visum!)
Vetrträge zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gibt es nicht, alles auf "Vertrauen"
Vor Anreise bekommt der Arzt ein Paket mit Medikamenten zugesandt, dass er dann an den Zielort schmuggeln soll (Eigenbedarf!?)

Nein, nach mehreren Einsätzen für diese kriminelle Organisation "nie wieder"!
Unter ethisch-medizinischen Kriterien nicht haltbar. Steuerlich, arbeitsrechtlich und zollrechtlich strafbar ...

Kann nur dringend davor warnen!

lg