ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2009Das Gesundheitswesen Vietnams

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Das Gesundheitswesen Vietnams

Dtsch Arztebl 2009; 106(6): A-239

Merten, Martina

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LNSLNS - Kran­ken­ver­siche­rung: Seit 1993 besteht in Vietnam für Angestellte und Arbeiter des Staates Versicherungspflicht (compulsory health insurance); das trifft für etwa 30 Prozent der Bevölkerung zu. Internationalen Studien und den Aussagen vietnamesischer Gesundheitswissenschaftler und Ärzte zufolge deckt die Nationale Kran­ken­ver­siche­rung jedoch nur einen Bruchteil der Behandlungskosten ab. Für die Behandlungskosten sogenannter prioritized people – darunter fallen Arme, Invaliden, Angehörige ethnischer Minoritäten, Alte und Kinder unter sechs Jahren – kommt der Staat auf. Knapp fünf Millionen Vietnamesen, die nach staatlicher Definition als arm gelten, erhalten seit einigen Jahren eine „health card for the poor“. Eine Kran­ken­ver­siche­rung für Studenten und Landwirte ist im Gespräch. Insgesamt sind etwa 40 Prozent der Bevölkerung versichert. Dieser Prozentsatz schließt private Zusatzversicherungen (voluntary health insurance) mit ein. Private Vollversicherungen gibt es nicht.

- Finanzierung: Der Beitragssatz zur Nationalen Kran­ken­ver­siche­rung beträgt derzeit drei Prozent des monatlichen Einkommens (Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen jeweils 50 Prozent). Die Vietnam Social Security (VSS) erstattet jedoch nur einen Teil der Behandlungskosten. Derzeit liegt der Prozentsatz, den die Regierung Berichten zufolge für die „prioritied people“ ausgibt und der über Steuern finanziert wird, bei 6,9 Prozent des Haushaltsbudgets. In diesem Jahr soll der Betrag auf 8,5 bis neun Prozent steigen.

- Selbstbeteiligung/Zuzahlung: Die Selbstbeteiligung in Vietnam zählt zu den höchsten Asiens. Der Weltbank zufolge werden drei (der geschätzten fünf) Prozent der Gesamtausgaben für Gesundheit gemessen am Bruttoinlandsprodukt privat hinzugezahlt. Da sowohl die offiziell vom Staat festgelegten Behandlungsgebühren (fee for services) als auch die Gehälter der Ärzte niedrig sind, lassen sich nahezu alle Ärzte in öffentlichen Einrichtungen zusätzlich (inoffiziell) bezahlen.

- Ambulante Versorgung: Auf dem Land findet die Behandlung in erster Linie in sogenannten Gesundheitszentren (commune health centers, CHC) statt. In den letzten zehn Jahren hat der Transformationsprozess zur Entstehung von privaten Einzel- und Gemeinschaftspraxen (private clinics) geführt. Viele dieser Privatpraxen sind bislang nicht offiziell registiert. Darüber hinaus gibt es staatliche Polikliniken.

- Stationäre Versorgung: Derzeit gibt es in Vietnam 1 062 öffentliche und rund 80 private Krankenhäuser. Es sind Krankenhäuser auf Distrikt-, Provinz- und Nationalebene. Die Nationale Kran­ken­ver­siche­rung übernimmt (mit Ausnahme von Notfällen) nur dann einen Teil der Behandlungskosten, wenn der Patient diese Reihenfolge einhält. Der Großteil der Patienten geht unmittelbar ins Krankenhaus, ohne zunächst eine Gesundheitsstation aufzusuchen.

- Gehalt der Ärzte: In staatlichen Krankenhäusern tätige Ärzte verdienen offiziell zwischen 50 und 200 US-Dollar monatlich. Eigenleistungen der Patienten kommen hinzu. Privat tätige Ärzte verdienen weitaus mehr. Genaue Angaben gibt es nicht, inoffiziell ist aber die Rede von bis zu mehreren Tausend US-Dollar, die einzelne Ärzte bereits verdienen. Deutsche Ärzte an internationalen Privatkliniken verdienen rund 8 000 US-Dollar/Monat. MM
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