ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2009Allogene Stammzelltransplantation bei der akuten myeloischen Leukämie: Aussage nicht nachvollziehbar belegt
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LNSLNS Zander et al. folgern in ihrem Artikel, dass bei AML-Patienten in zweiter Remission das Ergebnis der Transplantation von nicht verwandten Spendern denen von Geschwisterspendern „mindestens ebenbürtig“ sei. Diese Aussage ist nicht nachvollziehbar belegt. Die als Beleg zitierte Publikation (1) trifft keinerlei Aussagen zum Vergleich von verwandten und nicht verwandten Spendern. Es handelt sich vielmehr um eine Registerauswertung von Patienten mit promyelozytischer Leukämie, die entweder autolog transplantiert wurden oder ein Transplantat von einem HLA-identischen Geschwisterspender erhielten. Sie steht unserem Fazit (2) im IQWiG-Bericht somit nicht entgegen. Das am besten geeignete Instrument, um Therapiealternativen zu vergleichen, sind prospektive, kontrollierte Studien, die Strukturgleichheit sicherstellen. Dass solche Studien auch bei der Stammzelltransplantation zumindest annähernd möglich sind, zeigen „genetisch randomisierte“ Studien. Eine solche Studie wurde zum Beispiel zum Vergleich der Transplantation mit einer dosisreduzierten Konditionierung gegenüber Chemotherapie durchgeführt (3). Diese Arbeit spricht für einen klaren Vorteil der dosisreduzierten Konditionierung beim leukämiefreien Überleben. Sie bestätigt – neben vielen anderen ähnlich angelegten Studien – unseren Ansatz (2), dass die Stammzelltransplantation sehr wohl methodisch valide und versorgungsrelevant evaluiert werden kann.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0098a

PD Dr. rer. nat. Annegret Herrmann-Frank, Dr. rer. medic. Klaus Koch,
PD Dr. med. Stefan Lange, Prof. Dr. med. Peter T. Sawicki
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Dillenburger Straße 27, 51105 Köln

Das IQWiG hat einen Bericht zum Thema erstellt.
1.
Sanz MA et al.: Acute Leukemia Working Party (ALWP) of European Cooperative Group for Blood and Marrow Transplantation (EBMT). Hematopoietic stem cell transplantation for adults with acute promyelocytic leukemia in the ATRA era: a survey of the European Cooperative Group for Blood and Marrow Transplantation. Bone Marrow Transplant 2007; 39: 461–9. MEDLINE
2.
IQWiG: Stammzelltransplantation bei den Indikationen Akute lymphatische Leukämie (ALL) und Akute myeloische Leukämie (AML) bei Erwachsenen. Abschlussbericht N05-03A. Köln: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG); März 2007.
3.
Mohty M et al.: Reduced intensity conditioning allogeneic stem cell transplantation for patients with acute myeloid leukemia: long term results of a 'donor' versus 'no donor' comparison. Leukemia 2008; im Druck MEDLINE
4.
Zander AR, Bacher U, Finke J: Allogene Stammzelltransplantation bei der akuten myeloischen Leukämie – Indikationsstellung auf der Basis einer individuellen Risikostratifizierung. Dtsch Arztebl 2008; 105(39): 663–9. VOLLTEXT
1. Sanz MA et al.: Acute Leukemia Working Party (ALWP) of European Cooperative Group for Blood and Marrow Transplantation (EBMT). Hematopoietic stem cell transplantation for adults with acute promyelocytic leukemia in the ATRA era: a survey of the European Cooperative Group for Blood and Marrow Transplantation. Bone Marrow Transplant 2007; 39: 461–9. MEDLINE
2. IQWiG: Stammzelltransplantation bei den Indikationen Akute lymphatische Leukämie (ALL) und Akute myeloische Leukämie (AML) bei Erwachsenen. Abschlussbericht N05-03A. Köln: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG); März 2007.
3. Mohty M et al.: Reduced intensity conditioning allogeneic stem cell transplantation for patients with acute myeloid leukemia: long term results of a 'donor' versus 'no donor' comparison. Leukemia 2008; im Druck MEDLINE
4. Zander AR, Bacher U, Finke J: Allogene Stammzelltransplantation bei der akuten myeloischen Leukämie – Indikationsstellung auf der Basis einer individuellen Risikostratifizierung. Dtsch Arztebl 2008; 105(39): 663–9. VOLLTEXT

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