ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2009Interview: Diplomierte Betreuer dringend benötigt
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. . . Der Aussage von Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Ursula von der Leyen, wonach die Tragödie Alzheimer eine „Krankheit und keine Katastrophe“ sei, muss deutlich widersprochen werden, gerade weil sie aus dem Munde einer Ärztin und Ministerin stammt. Die gravierenden Probleme liegen eher weniger beim Erkrankten als bei den Menschen seiner Umgebung. In den meisten Fällen nimmt er zunehmend mit der Dauer des hirnzerstörenden Prozesses das „Versanden“ seiner psychischen Fähigkeiten und die körperlichen Verluste nicht mehr wahr. So weist die Ministerin im Interview des DÄ völlig zu Recht darauf hin, dass es sich um eine „Angehörigenkrankheit“ handelt. Die Alzheimer-Demenz stellt eine protrahierte totale psychische „Verdampfung“ eines ehemals hoch differenzierten Individuums unter Zurücklassung der erbarmungswürdigen körperlichen Reste dar. In solchem Zusammenhang möchte ich Sie bitten, die Sie als Ärztin medizinisch-naturwissenschaftlich ausgebildet sind, euphemistische Formulierungen zu vermeiden, auch wenn die Absicht, den Betreuungspersonen Mut zu machen, löblich ist . . . Die Ministerin hat die Chance, eine pragmatisch umsetzbare häusliche Betreuung künftig auch durch qualifizierte Angehörige eines neu zu schaffenden medizinischen Dienstleistungsberufs zu bewirken. Wer der Tatsache ins Gesicht sehen muss, dass es sich um den Totalverfall eines Menschen handelt, der ohne jede Aussicht auf wirkliche Besserung zu betreuen ist, muss entsprechend ausgebildet werden, um den Belastungen gewachsen zu sein. Er hat nicht nur den Kranken selbst, sondern auch die Menschen aus seiner unmittelbaren Umgebung kompetent zu betreuen. Nicht nur sehr viele Ärzte, sondern auch die Mitglieder der Heilberufe stehen den Demenzerkrankungen nicht selten mit einer gewissen Hilflosigkeit gegenüber, und die beruflich seelsorgerisch Tätigen lassen die Fähigkeit zu hilfreicher und damit kompetenter Betreuung oft erheblich vermissen . . . So wie die Gesellschaft die Säuglingsschwester, den Psychotherapeuten, den OP-Pfleger als spezielle Berufsbilder im Gesundheitswesen einer zivilisierten Welt als wichtig und kaum verzichtbar betrachtet, wird ein kompetenter diplomierter Demenzbetreuer dankbar angenommen werden. Er sollte angemessen vergütet werden, die betroffenen Familien oder Heime regional versorgen und, wie ehedem die Gemeindeschwester, die Vernetzung koordinieren.
Dr. med. Manfred Moewes, Biebersteiner Straße 27, 51580 Reichshof-Heienbach
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