ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2009Onkologie: Objektiv und neutral

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Onkologie: Objektiv und neutral

Dtsch Arztebl 2009; 106(6): A-254 / C-208

Jung, Klaus

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Jutta Hübner: Komplementäre Onkologie. Schattauer, Stuttgart 2008, 384 Seiten, gebunden, mit CD-ROM, 69 Euro
Jutta Hübner: Komplementäre Onkologie. Schattauer, Stuttgart 2008, 384 Seiten, gebunden, mit CD-ROM, 69 Euro
„Naturheilkunde in der Onkologie – ein Thema, das Emotionen auslöst“, so lautet die Überschrift des Präsidenten der Deutschen Krebsgesellschaft in seinem Geleitwort. Wie recht er hat. Während die Mehrzahl der praktizierenden Ärzte gegenüber naturheilkundlichen Verfahren in der Onkologie eher eine neutral-skeptische Position einnimmt mit Verweis auf die mangelnde Datenlage, wenden schätzungsweise 40 bis 70 Prozent aller Patienten naturheilkundliche Methoden parallel zur onkologischen evidenzbasierten Therapie an, oft genug ohne Wissen ihrer Therapeuten. Der polarisierende Richtungsstreit zwischen „Schulmedizin“ (EbM) und „Naturmedizin“ (Erfahrungsheilkunde) verhindert weithin eine sachliche Bewertung. Diese Trennung wird von der Autorin sachkompetent, engagiert und mutig beiseite geräumt, indem sie objektiv und neutral eine symbiotische Bewertung vollzieht. Sie sieht Schulmedizin und Naturheilkunde nicht als unabhängig voneinander verlaufende Behandlungsmethoden, sondern hinterfragt eine sinnvolle Kombination im Zusammenhang und Wissen um ihre gegenseitigen Wechselwirkungen. Sowohl die landläufige Meinung von Patienten, dass Naturmedizin keinesfalls Nebenwirkungen haben kann, noch die Annahme vieler Therapeuten, dass naturheilkundliche Verfahren weder nutzen noch schaden können, entspricht dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand in der Onkologie.

Die Zusammenstellung ermöglicht einen schnellen Überblick über einsetzbare Verfahren (Ernährung, Bewegung), etablierte Phytotherapeutika zur Linderung der Folgen einer Tumorerkrankung oder -therapie und über komplementäre Wirksubstanzen. In der Einleitung geht sie auf für das Verständnis der Abläufe in malignen Zellen wichtige Schritte im Zellzyklus und in der Apoptose ein, im Anhang sind tabellarische Übersichten zu den komplementären Substanzen (Wirkung auf Enzyme in der Signaltransduktion; tumor- oder tumortherapiebedingte Symptome und Indikationen, bei welchen komplementäre Substanzen zum Einsatz kommen können; empfehlens- und nicht empfehlenswerte Substanzen), Patienteninformationen, ein Glossar und eine Übersicht über die lateinischen Namen angefügt. Für die einzelnen Wirksubstanzen wird eine gleichförmige Gliederung eingehalten (Vorkommen, Wirkstoffe und Anwendungsgebiete, Wirkungen, Klinische Studien, Wechselwirkungen, Nebenwirkungen, Dosierung, Kontraindikationen, Bewertung, Literatur). Alle Texte zu den Wirkstoffen findet man in einer für Patienten verständlichen Form auf der beigefügten CD-ROM.

Das Buch war notwendig. Es bietet die große Chance – neben einer gründlichen und umfassenden Aufbereitung der wissenschaftlichen Datenlage für Therapeuten – für eine erfolgreiche Kommunikation mit den betroffenen Patienten, ohne sie zu überfordern. Klaus Jung
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