ArchivDeutsches Ärzteblatt19/1997Cabergolin bei Morbus Parkinson: Langanhaltende Dopamin-Stimulation

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Cabergolin bei Morbus Parkinson: Langanhaltende Dopamin-Stimulation

Vetter, Christine

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LNSLNS Auf eine konstantere Beweglichkeit dürfen Patienten mit Morbus Parkinson hoffen. Denn erstmals wird in Kürze ein Dopaminagonist mit 24stündiger Wirksamkeit verfügbar sein. Der Wirkstoff Cabergolin, der von Pharmacia-Upjohn entwickelt wurde, soll für eine "kontinuierliche dopaminerge Stimulation" sorgen, wie es auch der natürlichen Dopaminfreisetzung beim Gesunden entspricht. Neurologen versprechen sich davon eine bessere Beeinflussung der Beweglichkeit mit weniger Fluktuationen und weniger On-Off-Phänomenen, wie bei einem Presseseminar in Essen deutlich wurde.
Denn die derzeitigen Therapiekonzepte kranken nicht nur daran, daß weder eine Heilung möglich ist noch das Stoppen der Progression, sondern es können auch die Symptome des Zellunterganges in der Substantia nigra nur unzureichend behandelt werden. L-Dopa wurde bei seiner Einführung zwar zu Recht als eine Art Wundermittel gefeiert, wie Prof. P. A. Fischer (Frankfurt) darlegte, mit der Zeit haben sich aber deutliche Probleme bei der Therapie gezeigt - wie allmählicher Wirkverlust und Hyperkinesien. Die Patienten werden dadurch in ihrer Alltagskompetenz wie auch ihrer Lebensqualität massiv beeinträchtigt.
Auch Weiterentwicklungen der medikamentösen Therapie, wie sie mit den Depot-Präparaten, aber auch neuen Wirkstoffen wie den Dopaminagonisten und den MAO-Hemmern gegeben waren, haben laut Fischer die Problematik nicht befriedigend lösen können. Zwar werden die Kardinalsymptome Akinesie, Rigor und Tremor deutlich gebessert, unter all den zum Teil sogar recht komplizierten Therapiestrategien war aber bislang keine befriedigende Behandlung möglich. Cabergolin, das derzeit zur Zulassung ansteht und für das erstmals bei den Dopaminagonisten auch die Zulassung für die Monotherapie jüngerer Patienten angestrebt wird, wurde in klinischen Studien bei mehr als
1 300 Patienten mit Erfolg eingesetzt. Durch die mit 65 Stunden sehr lange Halbwertszeit konnten kontinuierliche Wirkstoffspiegel erzielt werden, die zwar in der Nacht etwas abfallen, laut Dr. Peter Schüler (Pharmacia-Upjohn) aber auch während des Schlafs im therapeutischen Bereich bleiben. Es wird eine lineare zerebrale Kinetik aufgebaut, und die Wirkung ist, anders als bei L-Dopa, von der Nahrungsaufnahme unabhängig.
Schüler machte auf einen weiteren Vorteil aufmerksam: Cabergolin, das unter dem Handelsnamen Cabaseril® auf den Markt kommen soll, wird biliär ausgeschieden, so daß bei der Niereninsuffizienz keine und bei Leberinsuffizienz infolge der extrahepatischen Metabolisierung nur in sehr schweren Fällen eine Dosisanpassung notwendig wird. Davon unabhängig ist das Dosierungsschema vergleichsweise einfach, es wird mit einer Dosierung von 1 mg morgens begonnen, und die Dosis kann anschließend im Zwei-Wochen-Rhythmus um jeweils 1 mg gesteigert werden, bis die gewünschte therapeutische Wirksamkeit erreicht ist. Dadurch wird, so Schüler, für den Patienten eine sehr viel einfachere Handhabung als bislang üblich erreicht. Die Kardinalsymptome Rigor, Akinesie und Tremor wurden im Mittel um 50 Prozent gemindert, und das gilt auch für Off-Phänomene, die unter hoher Dosierung sogar um 80 Prozent zu reduzieren sind. Die Wirkeffekte werden dabei nicht durch Probleme bei der Verträglichkeit erkauft. Die beobachteten Nebenwirkungen sind, so Schüler, in ihrem Spektrum denjenigen anderer Dopaminagonisten vergleichbar, allerdings deutlich geringer ausgeprägt. Christine Vetter
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