ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2009Lokalisiertes Prostatakarzinom: Ultraschall ist eine Alternative für ältere Patienten

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Lokalisiertes Prostatakarzinom: Ultraschall ist eine Alternative für ältere Patienten

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Die Behandlung mit hochintensivem fokussiertem Ultraschall wird inzwischen in mehr als 40 Kliniken durchgeführt.

Eine Alternative zur radikalen Prostatektomie für Patienten über 70 Jahre mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom stellt die Behandlung mit hochintensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU) dar. Die Methode ist nach den inzwischen über achtjährigen Erfahrungen am Klinikum Regensburg vergleichbar wirksam wie die Strahlentherapie, aber nebenwirkungsarm und wiederholbar.

Eine HIFU-Behandlung findet unter Teilnarkose in einer Sitzung statt, die anderthalb bis zweieinhalb Stunden dauert. Bei der Behandlung mit Ultraschall wird eine löffelgroße Sonde in den Enddarm eingeführt, mit deren Hilfe hochintensive Schallwellen auf das Prostatagewebe gerichtet werden und dieses dabei verödet wird. Die Behandlung erfolgt sehr präzise, sodass angrenzendes Gewebe oder andere Organe nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wie Prof. Dr. med. Wolf Wieland (Regensburg) ausführte, liegen die Fünfjahresüberlebensraten bei 90 Prozent, nach acht Jahren leben noch 83 Prozent der Patienten. Die prostataspezifische Überlebensrate nach acht Jahren bezifferte der Urologe auf 98 Prozent. In einer Studie mit 140 Patienten fand man bei 114 von 132 Biopsierten (86,4 Prozent) in diesem Zeitraum negative Stanzen. Die biochemisch rezidivfreie Überlebensrate fünf beziehungsweise sieben Jahre nach dem Eingriff lag bei 77 beziehungsweise 69 Prozent; bei 15 Prozent war eine Hormon- oder Strahlentherapie notwendig geworden.

Aufgrund dieser positiven Nachbeobachtungsdaten hat die französische Gesellschaft für Urologie den Einsatz der HIFU-Methode als erste Fachgesellschaft für die Primärtherapie bei älteren Patienten (> 70 Jahre) mit lokal begrenztem Prostatakarzinom (T1–T2, Gleason-Score ( 7, PSA ( 15 ng/ml) – mit anderen Worten: Low-risk-Patienten – befürwortet.

Deutlich geringere Raten an Inkontinenz
Aus technischen Gründen müsse in etwa der Hälfte der Fälle eine transurethrale Resektion der Prostata vorgeschaltet werden, berichtete Dr. med. Martin Schostak (Berlin). Die Reichweite des Schalls betrage nur 2,4 Zentimeter; häufig seien die Drüsen jedoch größer, es müssten Kalzifizierungen entfernt werden, oder es gehe um die Behandlung des Mittellappens. In diesen Fällen setzt der Urologe das mobile Abla-thermTM-Gerät mit computergestützter Endorektalsonde und „doppeltem“ Schallkopf für Bildgebung und Therapie an unterschiedlichen Standorten ein, um in eineinhalb- bis zweistündigen Behandlungen die Erhitzung der gewünschten Areale zu erzielen.

Als Indikation sieht er nicht nur die Primärtherapie bei Kontraindikationen für den operativen Eingriff oder dessen Ablehnung, sondern auch die Rezidivtherapie nach externer Strahlentherapie bei metastasenfreien Patienten. Möglich sei außerdem die Rezidivtherapie nach posthormonaler Ablation, wenn die Bildgebung dies zulasse.

Als großen Vorteil der HIFU in der Primärtherapie wertete der Urologe die deutlich geringeren Inkontinenzraten von zwei bis sieben Prozent im Vergleich mit der radikalen Prostatektomie. In den Vereinigten Staaten habe die Arzneimittelbehörde (FDA) inzwischen einer Studie zur Überprüfung der Wirksamkeit des HIFU in der Primärtherapie zugestimmt, teilte Prof. Dr. John Rewcastle (Medizinischer Direktor des Unternehmens EDAP, Lyon/Frankreich) mit. In Zukunft könne das Verfahren auch zur Behandlung anderer maligner und benigner Herde an Brust, Leber, Niere, Pankreas und des Endometriums eingesetzt werden.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Pressekonferenz „Erste Fachgesellschaft verankert
HIFU in den urologischen Richtlinien“ in Stuttgart, Veranstalter: EDAP GmbH
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