ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2009Herbert Döring-Spengler: Droge Arzt

KUNST + PSYCHE

Herbert Döring-Spengler: Droge Arzt

PP 8, Ausgabe Februar 2009, Seite 50

Kraft, Hartmut

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Digitales Groß-Rush-Print, kaschiert auf Forexplatte, 114,5 × 80,5 cm, rückseitig signiert und datiert 2000. Foto: Eberhard Hahne
Digitales Groß-Rush-Print, kaschiert auf Forexplatte, 114,5 × 80,5 cm, rückseitig signiert und datiert 2000. Foto: Eberhard Hahne
Die Fotoarbeiten von Herbert Döring-Spengler sind keine Fotografien im landläufigen Sinn. Seit Mitte der 80er-Jahre unterzieht der Künstler Polaroidaufnahmen immer wieder neuen Bearbeitungen: Die Fotos werden während der Entwicklungszeit auseinandergerissen, geknickt, getoastet (!) oder in den Kühlschrank gelegt. Der Experimenten gegenüber offene Bearbeitungsprozess mündet in zumeist großformatige Fotoabzüge, die in der Verfremdung des ursprünglichen Bildmotivs (häufig Porträts) die Eigenarten des Dargestellten herausarbeiten.

Auf die geschilderte Weise entstand auch das vorliegende Foto, hier nun ergänzt durch eine Überblendung mit einem alten, inzwischen ungültig gewordenen Kassenarztrezept. Der Künstler nimmt offensichtlich Bezug auf den von Michael Balint geprägten Begriff „Droge Arzt“. Bekanntlich ist ein Medikament unterschiedlich wirksam, je nachdem, in welcher Form und unter welchen Begleitumständen es verabreicht wird. Die reine Medikamentenwirkung ist nur mit methodischen Kunstgriffen von suggestiven (Neben-)Wirkungen zu unterscheiden. Aber sind es „Neben-Wirkungen“? Ist nicht der persönliche, tragfähige Kontakt zum Arzt oder zum Psychotherapeuten oft das eigentlich Wirk- und Heilsame? Auch in der Psychotherapieforschung hat sich gezeigt, dass gar nicht so sehr unterschiedliche Behandlungstechniken, sondern eine gegenseitige Wertschätzung zwischen Therapeut und Patient und ein gutes Arbeitsbündnis zentrale Bestandteile des Therapieerfolgs sind.

So ist es eine überzeugende Visualisierung dieser Erkenntnis, wenn in der vorliegenden Arbeit der Arzt/Psychotherapeut (in diesem Fall der Autor) durch das Rezept hindurch den Betrachter/potenziellen Patienten anschaut. Hartmut Kraft

Biografie:
Geboren 1944 in Köln. Als Künstler Autodidakt. Seit Mitte der 80er-
Jahre Arbeiten mit Polaroidfotos, mehrfache Zusammenarbeit mit
spastisch gelähmten oder taubblinden Patienten. Lebt in Köln.

Literatur:
Döring-Spengler H: Arbeiten mit Polaroid. Stadtmuseum,
Siegburg 1998.
Kraft H: Kunst auf Rezept. Salon Verlag, Köln 2001.
Döring-Spengler H: Hommage an Edvard Munch. St. Annen-Museum, Lübeck 2003
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