ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2009Psychische Erkrankungen: Exakte Diagnose ist wichtig

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Psychische Erkrankungen: Exakte Diagnose ist wichtig

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Psychisch Kranke werden häufig immer noch stigmatisiert. Eine exakte Diagnose, unabhängig von ökonomischen Interessen, ist daher unbedingt notwendig. Foto: Fotolia
Psychisch Kranke werden häufig immer noch stigmatisiert. Eine exakte Diagnose, unabhängig von ökonomischen Interessen, ist daher unbedingt notwendig. Foto: Fotolia
Wegen der immer noch vorhandenen Stigmatisierung psychisch Kranker sollte mit psychischen Diagnosen vorsichtig umgegangen werden. Dies betonte Dipl. Psych. Dieter Best, Bundesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), Ende Januar in Berlin. „Sowohl eine falschpositive Diagnose ist schädlich als auch eine falschnegative“, sagte Best.

Hintergrund für den Hinweis auf die Bedeutung einer exakten Diagnose durch die DPtV waren die Ergebnisse des kürzlich von der Gmünder Ersatzkasse (GEK) vorgelegten Berichts zur ambulant-ärztlichen Versorgung 2008. Die GEK hat in ihrem Bericht auf die hohe Anzahl der Erkrankungen, die unter dem Titel „Depressionen und wahnhafte Störungen“ aufgeführt sind, hingewiesen. Dazu hat die GEK angemerkt, dass bei „eher unspezifischen, schwer eingrenzbaren Erkrankungen“ der diagnostische Spielraum zu groß sei und dass dies die Manipulation des Patienten- und Codiermanagements und damit die Zuweisungen aus dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs begünstige. Auch die DPtV hält diese Sorgen für realistisch, da bereits jetzt einzelne Krankenkassen Ärzte anwiesen, ihre Diagnosen in Hinblick auf den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich zu überprüfen. Ein sogenanntes upcoding bei psychischen Krankheiten, das heißt eine ungerechtfertigte Zunahme psychischer Diagnosen aus ökonomischem Interesse heraus, würde der Stigmatisierung psychisch Kranker Vorschub leisten. „Personen mit einer psychischen Diagnose in der Vorgeschichte haben immer noch soziale und ökonomische Nachteile zu erwarten“, betont Best. Dies sei zum Beispiel der Fall, wenn jemand mit einer entsprechenden Vorerkrankung zu einer privaten Krankenversicherung wechseln wolle. sun
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