ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2009Gesundheitstelematik: Knappschaft startet Patientenakte

POLITIK

Gesundheitstelematik: Knappschaft startet Patientenakte

PP 8, Ausgabe Februar 2009, Seite 60

Krüger-Brand, Heike E.

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Ulla Schmidt am Patientenkiosk im Knappschaftskrankenhaus Bottrop. Die Ministerin verspricht sich mehr Transparenz und Qualität von der Patientenakte. Foto: dpa
Ulla Schmidt am Patientenkiosk im Knappschaftskrankenhaus Bottrop. Die Ministerin verspricht sich mehr Transparenz und Qualität von der Patientenakte. Foto: dpa
Rund 10 000 Versicherte der Knappschaft und der DAK werden im Gesundheitsnetz „Prosper“ in Bottrop eine sektorübergreifende zentrale Patientenakte in Verbindung mit der elektronischen Gesundheitskarte nutzen.

Das Land Nordrhein-Westfalen baut seine Vorreiterrolle bei der Gesundheitstelematik weiter aus: Nicht nur der Basisrollout der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der größte Feldtest der eGK-Anwendungen in der Testregion Bochum-Essen finden hier statt. Jüngstes Vorzeigeprojekt ist die elektronische Patientenakte (ePA) „prospeGKT“, die in Anwesenheit von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt jetzt in Bottrop in Betrieb genommen wurde. Rund 10 000 Gesundheitskarten werden in den nächsten Wochen an Versicherte der Knappschaft und der DAK ausgegeben, über die diese Zugang zu einer sektorübergreifenden Patientenakte im Prosper-Gesundheitsnetz erhalten. „Damit verwirklichen wir das erste flächendeckende Onlineprojekt der eGK, das auf den Standards der Gematik beruht“, betonte Dr. Georg Greve, Erster Direktor der Knappschaft. Das System sei auf maximal 100 000 Versicherte ausgelegt. Die beiden Kassen investieren circa 5,6 Millionen Euro in das Projekt, das eine Laufzeit von drei Jahren hat.

Zunächst werden 50 niedergelassene Haus- und Fachärzte und das Knappschaftskrankenhaus Bottrop mit der Patientenakte arbeiten. Die Ärzte erheben während der Behandlung ihrer Patienten sämtliche medizinischen Daten, wie Diagnosen, Medikationen, Befunde und Labordaten, und speichern diese – die Einwilligung der Patienten vorausgesetzt – strukturiert in zentralen Akten. Über diese erhält jeder eingeschriebene Prosper-Arzt während der Behandlung Einblick in alle wichtigen medizinischen Informationen zu seinen Patienten. Die ePA ist dabei vollständig in die bisher verwendeten Primärsysteme integriert, sodass die Ärzte sie aus ihrer gewohnten Arbeitsumgebung aufrufen können. Den Zugang muss der Patient mit seiner Karte und der Eingabe einer sechsstelligen PIN freischalten. Diese Freigabe ist auf ein bestimmtes Zeitfenster beschränkt; sie kann sich im Krankenhaus auch auf ein Behandlerteam erstrecken. An einem Patiententerminal im Knappschaftskrankenhaus können die Patienten zudem ihre Patientenakten ohne Anwesenheit eines Arztes einsehen und zum Beispiel auch die Zugriffserlaubnis zu ihrer Akte entziehen. Die Nutzung der ePA ist für die Versicherten kostenfrei.

Als Basis der Tele­ma­tik­infra­struk­tur dient eine vom Internet abgeschirmte Kommunikationsplattform, das „Branchennetz Gesundheitswesen“ des technischen Hauptpartners T-Systems. Das Unternehmen betreibt auch das Hochsicherheitsrechenzentrum in Magdeburg, wo die medizinischen Daten auf einem zentralen, durch einen Stahlkäfig speziell gesicherten Server gespeichert sind. „Wir haben die komplette Tele­ma­tik­infra­struk­tur einschließlich Netz, Gesundheitskarten, Heilberufsausweisen, Kartenlesegeräten, Konnektoren, zentraler Dienste und Softwareapplikationen, wie sie auch für die Gesundheitskarte vorgesehen sind, aufgebaut. Alle Daten sind verschlüsselt und können nur durch den Versicherten freigegeben werden“, erläuterte Martin Gödecke, Projektleiter bei T-Systems. Weitere Partner sind die Softwarehäuser Compugroup, Docexpert und Tieto. Auch werden ausschließlich die von der Gematik zugelassenen Komponenten (Kartenlesegeräte, Konnektoren) verwendet. Dabei wurde jeweils nur ein Gerätehersteller ausgewählt, um die Komplexität von vornherein zu begrenzen. Die erforderliche technische Ausstattung wird den niedergelassenen Ärzten komplett als „Rundum-sorglos-Paket“ kostenfrei zur Verfügung gestellt. In den Arztpraxen werden bis zu fünf Kartenterminals, ein Konnektor und ein T-DSL-Anschluss installiert, im Knappschaftskrankenhaus werden 60 Arbeitsplätze mit Kartenterminals ausgestattet.

Erfahrungen für das eGK-Projekt sammeln
„Ich erwarte, dass damit noch mehr Transparenz, mehr Abstimmung, mehr Qualität im Netz organisiert werden kann“, erklärte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt zum Start der Patientenakte. Sie sei überzeugt davon, dass die Patientenakte die Arznei­mittel­therapie­sicherheit auf ein neues Niveau heben werde. Durch IT und Vernetzung gewonnene Vergleichsdaten müssten in einigen Jahren zeigen, ob sich die Qualität der Behandlung vor allem chronisch Kranker verbessert habe. Mit Blick auf die Einführung der Gesundheitskarte betonte die Ministerin: „Ich setze darauf, dass wir aus diesem Projekt Erfahrungen sammeln, die wir für das eGK-Projekt brauchen.“
Heike E. Krüger-Brand
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