ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2009Notfälle in der Geburtshilfe – peripartale Blutungen: Verschiedene Produkte
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LNSLNS Die Begriffe Kryopräzipitate und Prothrombinkomplexpräparate (PPSB) können nicht synonym verwendet werden, es handelt sich um völlig verschiedene Produkte. Kryopräzipitate sind zwar reich an Fibrinogen, aber als Routinepräparat seit Jahren nicht mehr verfügbar. PPSB enthalten kein Fibrinogen oder Fibronektin. An anderer Stelle empfehlen die Autoren auch die separate Gabe von Fibrinogen. Dagegen fehlt ein Hinweis, dass man bei Substitution größerer Mengen PPSB auch Antithrombin substituieren sollte (1).

Die Formulierung „im Notfall werden Patientinnen ungekreuzte 0-Rh-negative Erythrozytenkonzentrate verabreicht. Dass die Blutgruppe meist bekannt ist, da sie im Mutterpass eingetragen ist, halte ich für bedenklich. Die Blutgruppe steht zwar im Mutterpass, ein immunhämatologisches Labor ist aber verpflichtet, sie vor der Bereitstellung von Erythrozytenkonzentrat (EK) selbst zu kontrollieren (2). Der Satz könnte so interpretiert werden, dass man blutgruppengleiche EK „ungekreuzt“ nach den Daten im Mutterpass geben darf.

Bei akuter Verblutungsgefahr gibt man EK 0-Rh-negativ „ungekreuzt“, wobei ein Restrisiko von Antikörpern gegen Rhesus-c oder -e besteht. Diesbezüglich sollte man sich am Mutterpass orientieren, in dem der Antikörpersuchtest dokumentiert ist. Vor der Notfalltransfusion muss eine Blutprobe entnommen werden, um die Blutgruppe eindeutig bestimmen zu können, da man sonst gezwungen ist, auch bei weiteren Transfusionen 0-EK zu verwenden.

Bei einigen Minuten Zeitreserve kann man die Blutgruppe im eigenen Labor bestimmen lassen. Wenn die Patientin in der Einrichtung bekannt ist, gibt es höchstwahrscheinlich schon eine eigene Blutgruppenbestimmung. Dann kann man blutgruppengleiche, „ungekreuzte“ EK geben, soweit möglich auch Rhesus-Untergruppen-kompatibel, um Immunisierungen zu vermeiden. DOI: 10.3238/arztebl.2009.0113a

Dr. med. Norbert Ostendorf
St. Katharinen-Hospital GmbH
Kapellenstraße 1–5
50226 Frechen
E-Mail: Ostendorf@khs-frechen.de
1.
Vorstand und wissenschaftlicher Beirat der Bundes­ärzte­kammer (Hrsg.): Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten. http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.6.3288.6716
2.
Bundes­ärzte­kammer und Paul-Ehrlich Institut: Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie). http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.6.3288.6716
3.
Kainer F, Hasbargen U: Notfälle in der Geburtshilfe – peripartale Blutungen. Dtsch Arztebl 2008; 105(37): 629–38.
1. Vorstand und wissenschaftlicher Beirat der Bundes­ärzte­kammer (Hrsg.): Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten. http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.6.3288.6716
2. Bundes­ärzte­kammer und Paul-Ehrlich Institut: Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie). http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.6.3288.6716
3. Kainer F, Hasbargen U: Notfälle in der Geburtshilfe – peripartale Blutungen. Dtsch Arztebl 2008; 105(37): 629–38.

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