ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2009Nahrungsmittelallergie bei Erwachsenen – über- oder unterschätzt?: Schlusswort
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LNSLNS Dieser Stellungnahme, die im Wesentlichen nochmals auf die bestehenden Leitlinien zur Diagnostik der Nahrungsmittelallergie hinweist, ist im Prinzip nichts hinzuzufügen. Allerdings sollen in diesem Zusammenhang auch Nachteile/Probleme von Leitlinien, die wir übrigens zitiert haben (1), nicht unerwähnt bleiben. Diese werden einerseits oft in Zeitschriften publiziert, auf die viele potenziell Interessierte nicht zugreifen können. Wenn man andererseits eine Antwort auf konkrete Fragen – oft gerade die besonders wichtigen – sucht, findet man lediglich eine Diskussion verschiedener Möglichkeiten, das heißt, es werden leider nicht immer eindeutige und praktikable Handlungsempfehlungen gegeben.

Bezüglich der Provokationstests dürfen wir zunächst darauf hinweisen, dass sich unsere Studie auf die Diagnose der IgE-vermittelten (Typ I) Nahrungsmittelallergie mit typischer Soforttyp-Symptomatik (orales Allergiesyndrom, Urtikaria/Angioödem, Anaphylaxie) beschränkte. Im Vordergrund standen dabei einfache Methoden, wie Anamnese und Haut-Pricktest. Zusätzliche Laboruntersuchungen (Serum-IgE, Tryptase) und/oder Provokationstests sind zeitaufwändig und gerade bei IgE-vermittelten Allergien beinhalten Provokationstests nicht unerhebliche Risiken. Die rationale Auswahl und Interpretation der Diagnosemethoden beim einzelnen Patienten sind abhängig von den Symptomen (Anaphylaxie oder orales Allergiesyndrom), dem verdächtigen Nahrungsmittel (bekanntes oder seltenes Allergen) und muss Sensitivität und Spezifität der Testverfahren berücksichtigen. So ist bei eindeutigen Symptomen eines oralen Allergiesyndroms oder einer Anaphylaxie in engem zeitlichem Zusammenhang mit Ingestion eines bekannten Nahrungsallergens, für das im Hauttest eine IgE-vermittelte Sensibilisierung nachgewiesen wurde, eben kein Provokationstest notwendig (2, 3). Ganz im Gegensatz beispielsweise zur vermuteten Verschlechterung eines atopischen Ekzems nach bestimmten Nahrungsmitteln, bei der vor einer Diät möglichst ein Provokationstest mit positivem Ergebnis durchgeführt werden sollte – aber derartige Patienten waren in unserer Studie nicht enthalten. DOI: 10.3238/arztebl.2009.0116

PD Dr. med. Axel Trautmann
Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
der Universität Würzburg
Josef-Schneider-Straße 2, 97080 Würzburg
E-Mail: trautmann_a@klinik.uni-wuerzburg.de

Interessenkonflikt
Die Autoren beider Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Seitz CS, Pfeuffer P, Raith P, Bröcker EB, Trautmann A: Nahrungsmittelallergie bei Erwachsenen – über- oder unterschätzt. Dtsch Arztebl 2008; 105(42): 715–23. VOLLTEXT
2.
Trautmann A: Nahrungsallergie. In: Trautmann A: Allergiediagnose, Allergietherapie. Stuttgart, New York: Thieme 2006; 181–201.
3.
Bernstein IL et al.: Food allergy: a practice parameter. Ann Allergy Asthma Immunol 2006; 96: 1–68.
1. Seitz CS, Pfeuffer P, Raith P, Bröcker EB, Trautmann A: Nahrungsmittelallergie bei Erwachsenen – über- oder unterschätzt. Dtsch Arztebl 2008; 105(42): 715–23. VOLLTEXT
2. Trautmann A: Nahrungsallergie. In: Trautmann A: Allergiediagnose, Allergietherapie. Stuttgart, New York: Thieme 2006; 181–201.
3. Bernstein IL et al.: Food allergy: a practice parameter. Ann Allergy Asthma Immunol 2006; 96: 1–68.

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