ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2009Randnotiz: Auf dem Klinikflur
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LNSLNS Das betagte Ehepaar bietet, wie es Arm in Arm vorsichtig über den Krankenhausflur kommt, ein Bild der Eintracht. Sie ist Patientin dieser Station, er Besucher. „Guten Tag, sind Sie der Stationsarzt?“ wendet sich der Mann an einen Herrn im weißen Kittel. „Können Sie mir eine Frage beantworten?“ – „Meine reguläre Arbeitszeit ist seit 16.15 Uhr zu Ende“, antwortet der Angesprochene. „Kommen Sie übermorgen in meine Sprechstunde. Die Uhrzeit finden Sie dort am Schwarzen Brett.“

Die Szene entstammt nicht einem abschreckenden Rollenspiel für Klinikmitarbeiter, sondern der Realität des Jahres 2009. Sie hat sich nicht auf einem kalten, abweisenden Klinikflur zugetragen. Nein, die Station ist in warmen, freundlichen Farben gestaltet. Das Bemühen, Patienten und ihren Besuchern ein angenehmes Umfeld zu bieten, ist an vielen Stellen erkennbar. Corporate Design und Corporate Identity sind hier keine Fremdworte. Selbstverständlich wollen die Verantwortlichen, dass sich ihr Haus durch ein gutes Image positiv von anderen abhebt. Das Krankenhaus erscheint regelmäßig in den lokalen Medien. Es hat ein wohlformuliertes Leitbild. Und es hat – hoffentlich in der Mehrzahl – einfühlsame Ärzte und Krankenschwestern, die diese Grundsätze leben.

Manchmal entlockt das Besuchern ein Lächeln. „Herr Rose, Sie haben sich ja nicht rasiert“, sagt eine Krankenschwester zu einem Patienten, der mit fast 90 Jahren zwar arg vergesslich geworden ist, aber nach wie vor den Damen und dem Tanzen zugetan. „Wir wollen doch noch miteinander tanzen. Aber mit einem unrasierten Mann tanze ich nicht.“
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