ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2009Ost-West: Die Charité sucht Zeitzeugen

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Ost-West: Die Charité sucht Zeitzeugen

Jachertz, Norbert

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Die DDR-Vergangenheit aufarbeiten: Die Charité sucht Menschen, die über ihre Erfahrungen berichten wollen. Foto: Caro
Die DDR-Vergangenheit aufarbeiten: Die Charité sucht Menschen, die über ihre Erfahrungen berichten wollen. Foto: Caro
Zu ihrem 300-jährigen Bestehen will die Berliner Medizinische Fakultät Charité auch ihre jüngste Geschichte präsentieren. Die Erkenntnisse zur DDR-Vergangenheit seien noch zu dürftig, befand der Medizinhistoriker Prof. Dr. Thomas Schnalke von der Charité bei einer Podiumsdiskussion im Berliner Abgeordnetenhaus, dem Ort, wo demnächst eine „Zeitzeugenausstellung“ die Geschichte zwischen 1945 und der politischen Wende 1989 veranschaulichen soll.

Bei der Podiumsdiskussion Ende Januar zeigte sich schnell, wie wertvoll Zeitzeugen für die „Verarbeitung von Geschichte“ (Prof. Dr. Alexander von Plato, Hagen) sind, wie notwendig aber auch die „Einordnung der Erinnerung“ in die historischen Prozesse (Prof. Dr. Volker Hess, Berlin) ist. Hess berichtete von höchst widersprüchlichen Zeitzeugenaussagen. Die einen lobten etwa das hohe Gemeinschaftsgefühl in der Charité zu DDR-Zeiten, andere monierten die ständige Bespitzelung. Übereinstimmend wiederum bezeugten die Befragten, dass die Wendejahre ein traumatisches Ereignis darstellten.

Das Publikum bestätigte Hess’ Beobachtung. Die Meinung, die Stasivergangenheit ruhen zu lassen, wurde genauso beklatscht, wie die gegenteilige Forderung. Prof. Dr. Ingrid Reisinger erklärte, die Stasibespitzelung sei allgemein bekannt gewesen, man habe sie aber als nicht so bedeutsam erachtet. Es sei kein Druck ausgeübt worden, der Partei beizutreten, ausgenommen bei herausgehobenen Positionen.

Wer seine Erfahrungen zu dem Zeitzeugenprojekt beisteuern möchte, kann sich bei Rainer.Herrn@ charite.de oder Laura.Hottenrott@ gmx.de melden. Auch Fotos, Filme oder andere Dokumente werden gesucht. NJ
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