ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2009Zuzahlungen: Gute Erfahrungen
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Herr Holst zieht aus dem Forschungsbericht eigenwillige Schlüsse: Jüngere und Gesündere verschieben oder vermeiden einen Arztbesuch dreimal so häufig wie Ältere, und das sei eine problematische Steuerungswirkung der Praxisgebühr (PG). Die entsprechende Grafik in der zitierten Originalarbeit beschreibt nur den (untersuchten) Zeitraum ab Frühling 2004 bis Herbst 2006 und enthält keinerlei Vergleichswerte zur Zeit vor Einführung der PG (1. Januar 2004). Die Grafik legt aber nahe, dass Junge und Gesunde schon immer eher einen Arztbesuch verschoben haben als Ältere und ihn auch jetzt, nach Normalisierung der zunächst gesunkenen Fallzahlen, eher verschieben . . . Weiterhin folgert Holst aus der Originalarbeit, dass die PG tendenziell die soziale Ungleichheit verstärke, weil sie den Zugang chronisch Kranker aus einkommensschwachen Schichten zur medizinischen Versorgung erschwere . . . Die Studie gibt das aber nicht her, sondern legt nahe, dass dies vor Einführung der PG schon genauso war. Im Gegenteil, zeigt eine Grafik doch, dass im Herbst 2006 Einkommensschwache Arztbesuche weniger oft vermieden und sich dem Verhalten der Einkommensstärkeren vom Frühjahr 2004 stark annäherten . . . Tatsächlich kann man aber aus der Studie überhaupt keine kausalen Schlüsse ziehen, und sogar die Autoren selbst schreiben: „There is no follow up information per person over time, and therefore it is difficult to assess causality“ . . . Die Gretchenfrage, ob vermiedene Besuche bei Niedergelassenen (und nur um diese geht es hier) irgendwie nachteilig sind, bleibt aber auch durch diese Studie unbeantwortet. Die guten Erfahrungen mit der PG im Notdienst (!), mit der Nichterstattung nicht verschreibungspflichtiger Medikamente ab dem zwölften Geburtstag, mit Beihilfeberechtigten (Eigenbeteiligung 30 bis 40 Prozent) und Privatversicherten (oft Eigenbeteiligung) legen aber nahe, dass Arztbesuche im Land der Weltmeister des Arztgehens regelmäßig sinnvoll vermieden werden. Das ist erwünscht, denn dadurch haben die Ärzte mehr Zeit für den Einzelnen und weniger niedrigere Punktwerte.
Dr. med. Dieter Wettig, Erlkönigweg 8,
65199 Wiesbaden-Dotzheim
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