ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2009Akute Rhinosinusitis: Wirkung pflanzlicher Sekretolyse bewiesen

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Akute Rhinosinusitis: Wirkung pflanzlicher Sekretolyse bewiesen

Warpakowski, Andrea

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LNSLNS Obwohl überwiegend viral bedingt, ist die Rhinosinusitis häufig Anlass für die Verschreibung von Antibiotika.

Eine akute Rhinosinusitis ist ein entzündlicher Prozess, der bei gestörtem Abfluss und gestörter Ventilation der Nasennebenhöhlen infolge einer nasalen Infektion entsteht. Diese akuten Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Dauer < zwölf Wochen) wurden 2006 in Deutschland 6,3 Millionen Mal diagnostiziert. Prof. Hans Behrbohm (Berlin) wies darauf hin, dass diese Erkrankung immer noch eine der häufigsten Diagnosen für die Verordnung von Antibiotika ist, obwohl nur in zwei bis drei Prozent der Fälle eine sekundäre bakterielle Infektion vorliegt und eine primäre Infektion, ausgelöst durch Streptococcus pneumoniae, Hämophilus influencae und Moraxella catarhalis, selten ist. Auslöser der akuten Rhinosinusitis ist meistens eine virale Infektion mit Rhino-, Influenza- und Parainfluenzaviren sowie Chlamydia pneumoniae und Mycoplasmen.

Für Behrbohm ist die Sekretolyse mit Myrtol standardisiert (GeloMyrtol® forte) neben lokalen Alpha-Adrenergika und topischen Steroiden zentraler Bestandteil der Therapie einer akuten Rhinosinusitis und ein Einsatz von Antibiotika erst bei persistierender schwerer Symptomatik ab dem siebten Tag indiziert. Myrtol standardisiert wirke auf mehreren Ebenen, sagte Behrbohm. Das Sekretolytikum steigere die mukozilliäre Clearance, senke die Konzentration der inflammatorischen Leukotriene LTC4/D4/E4, besitze antiooxydative Eigenschaften und hemme auch das Wachstum von S. pneumoniae und H. influencae.

Gemäß der S2-Leitlinie „Rhinosinusitis“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ist im Vergleich zu anderen pflanzlichen Sekretolytika die sekretolytische und sekretomotorische Wirkung von Myrtol standardisiert belegt. So liegt für den Nutzen von Acetylcystein und Ambroxol, die häufig unterstützend neben der Antibiotikagabe bei der Rhinosinusitis eingesetzt werden, keinerlei Evidenz vor, eine Anwendung dieser beiden Sekretolytika wird deshalb auch nicht empfohlen.

Behrbohm verwies auf eine doppelblinde randomisierte Studie, in der 331 Patienten entweder sechs plus/minus zwei Tage lang viermal zwei Sprühstöße Xylometazolin plus Myrtol standardisiert (viermal eine Kapsel à 300 mg) oder Placebo erhielten. Im Vergleich zu Placebo verbesserte sich unter Myrtol standardisiert im Verlauf von sechs Tagen signifikant der Symptomenscore (maximal 25 Punkte, Einschlusskriterium > zehn Punkte am Tag eins; Kopfschmerzen, Schmerzen beim Bücken, Allgemeinbefinden, Nasensekretation, Sekretmenge, Sekretviskosität und Nasenatmung). Patienten, die Myrtol standardisiert erhielten, benötigten auch weniger häufig eine antibiotische Begleittherapie (sieben versus 13 Prozent).
Andrea Warpakowski

Pressekonferenz „Akute Rhinosinusitis: Trends und Therapien“ in Hamburg von Pohl-Boskamp
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