ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2009Börsebius: Heiligendammbruch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNSLNSLNS So ganz im Stillen wollen manche Anleger auch irgendwie „etwas Großes“ mit ihrem Investment erreichen, Bedeutendes schaffen halt, vor allem, wenn sie sich an pompösen Immobilienprojekten beteiligen, etwas wie die Allianz-Arena in München oder irgendein Wahnsinnsobjekt in Dubai. Das Gefühl, quasi mitgebaut zu haben, zum Konzert der großen Macher zu gehören, bestimmt die Kaufentscheidung mancher Anleger durchaus mit.

Die Krönung solcher Mitmachfantasien ist ja wohl, wenn sich die Lenker der Welt in einem solchen Objekt niederlassen, wie vor nicht allzu langer Zeit im Grand Hotel Heiligendamm geschehen. In der noblen Herberge trafen sich die Mächtigsten zum G-8-Weltwirtschaftsgipfel, und so mancher klopfte sich bei den gloriosen Fernsehbildern, vermutlich strammstehend, stolz auf die Brust, so als habe gerade er erst mit seinem Geld dieses Ereignis ermöglicht. Investiv mit den Merkels und Putins dieser Welt auf Augenhöhe, alle Achtung.

Allerdings wird in der Vorstellungswelt dieser Investoren allzu leicht vergessen, dass die Beteiligung an solchen Projekten durchaus nicht ohne Risiko ist. Wie für jedes unternehmerische Engagement gilt das eben auch für ein Mitmischen beim Grand Hotel Kempinski in Heiligendamm, das just in diesen Tagen den Investoren in die Binsen zu gehen droht.

Elf Jahre ist es her, dass der heimliche Herrscher von Heiligendamm, Anno August Jagdfeld, stolz die Wiederauferstehung der „weißen Stadt am Meer“ propagierte. Der Chef des Fundus-Fonds kaufte 1996 das Areal um Heiligendamm für vergleichsweise wenig Geld vom Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Jahr später lockte er Anleger in das Projekt „Bau eines Luxushotels“ und versprach den Investoren eine Rendite von vier Prozent, spätestens ein Jahr nach der Eröffnung des Luxusschuppens.

Erst einmal aber bat Jagdfeld die Anleger um einen Nachschuss, es seien weitere Ausbauten zu finanzieren und weil die Hypovereinsbank ein Darlehen nicht verlängern mochte, mussten die Fundus-Klienten im Dezember 2006 nochmals bluten. Von den versprochenen Auszahlungen ist bis heute kein Heller geflossen. Die Anleger trösten sich, immerhin scheint mit der exquisiten Hotelkette Kempinski ein potenter Partner im Boot zu sein.

Aus die Maus. Das stolze erhabene Heiligendamm-Projekt hatte von Anfang an einen erheblichen Webfehler: Wie sonst üblich schloss Kempinski damals keinen langfristigen Pachtvertrag ab, der den Anlegern sichere Zahlungen garantiert hätte, sondern es gab nur einen Managementvertrag. Das wirtschaftliche Risiko trägt mithin also der Investor. Kempinski kündigte just diesen Vertrag mit sofortiger Wirkung. Ein Zweihundertmillionenobjekt steht nun vor einer ungewissen Zukunft, die Eigentümeranleger erst recht.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote