ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2009Früherkennung des Zervixkarzinoms – Suche nach einem Gesamtkonzept: Impfung kein Ersatz für Früherkennung?
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LNSLNSLNSLNS Wentzensen und Klug schreiben, dass die derzeitige Impfung keinen Ersatz für die Früherkennung darstellt. Sie nennen dafür drei Gründe, unter anderem, dass Langzeitergebnisse zum Impfschutz fehlen. Obwohl sie später einräumen, dass sich nach einer Impfung die Bilanz der Früherkennung verschlechtern wird, fordern sie: „Deshalb müssen auch geimpfte Frauen weiterhin an der Früherkennnung teilnehmen“.

Dieser Schlussfolgerung möchte ich vehement widersprechen:
- Das kürzlich auf der Homepage des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses veröffentlichte Merkblatt zur Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung betont ausdrücklich, dass Frauen frei entscheiden können, ob sie teilnehmen möchten oder nicht. Von „müssen“ kann deshalb keine Rede sein (1).
- Wenn die drei Gründe, die die Autoren gegen einen Ersatz der Früherkennung anführen, ausgeräumt werden können, sollte logischerweise auch die Schlussfolgerung nicht mehr gelten, dass die Impfung keinen Ersatz für die Früherkennung darstellt.

Die Schlussfolgerung müsste also korrekt lauten: „Deshalb sollte auch geimpften Frauen die Krebsfrüherkennung so lange angeboten werden, bis ein effektiver Schutz durch die Impfung belegt ist“.

Kann nachgewiesen werden, dass die Impfung die Zervixkarzinommortalität um 70 Prozent reduziert, wäre dies – vor allem verglichen mit dem Nutzen anderer Früherkennungsmaßnahmen – ein effektiver Schutz, der die Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung auch nach den derzeit gültigen internationalen Standards in Frage stellt (2). DOI: 10.3238/arztebl.2009.0134a

Dr. rer. nat. Christian Weymayr
Schaeferstraße 22, 44623 Herne
E-Mail: Christian.Weymayr@web.de

Interessenkonflikt
Dr. Weymayr war Sachverständiger im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss für das Merkblatt Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs.
1.
Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses über eine Änderung der Krebsfrüherkennungs-Richtlinien: Merkblatt Zervixkarzinomfrüherkennung, 21.8. 2008; http://www.g-ba.de/downloads/40-268-367/2007-06-05-Abschluss-Zervix.pdf
2.
Raffle AE: Challenges of implementing human papillomavirus (HPV) vaccination policy. BMJ 2007; 335: 375–7. MEDLINE
3.
Wentzensen N, Klug SJ: Early detection of cervical carcinomas [Früherkennung des Zervixkarzinoms – Suche nach einem Gesamtkonzept]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(37): 617–22. VOLLTEXT
1. Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses über eine Änderung der Krebsfrüherkennungs-Richtlinien: Merkblatt Zervixkarzinomfrüherkennung, 21.8. 2008; http://www.g-ba.de/downloads/40-268-367/2007-06-05-Abschluss-Zervix.pdf
2. Raffle AE: Challenges of implementing human papillomavirus (HPV) vaccination policy. BMJ 2007; 335: 375–7. MEDLINE
3. Wentzensen N, Klug SJ: Early detection of cervical carcinomas [Früherkennung des Zervixkarzinoms – Suche nach einem Gesamtkonzept]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(37): 617–22. VOLLTEXT

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