ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2009World Health Summit Charité Berlin 2009: Die Zukunft des Gesundheitswesens gestalten

POLITIK

World Health Summit Charité Berlin 2009: Die Zukunft des Gesundheitswesens gestalten

Dtsch Arztebl 2009; 106(8): A-329 / B-283 / C-275

Adli, Mazda; Kleinert, Sabine; Einhäupl, Karl M.; Kahn, Axel; Ganten, Detlev

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Nach Vorbild des Davoser Weltwirtschaftsforums findet im Oktober in Berlin
erstmals die Konferenz „Evolution of Medicine Summit“ statt, die sich drängenden Fragen der Medizin und Gesundheitssysteme in einer sich rasant verändernden Welt widmet.

Gesundheit und Wohlbefinden sind sowohl für den Einzelnen als auch für die gesamte Bevölkerung von größter Bedeutung; vor allem aber sind sie ein grundlegendes Menschenrecht (1). Regierungen sowie internationale Institutionen müssen die Gesundheitsversorgung in ihre gesellschaftlichen und politischen Agenden integrieren und dafür sorgen, dass Gesundheit als ein öffentliches Gut angesehen wird, das gerecht verteilt und auf dem höchsten erreichbaren Niveau verankert sein muss (2).

Doch der medizinische Fortschritt und die Verwirklichung eines angemessenen und fairen Zugangs zur Gesundheitsversorgung und zu Präventionsmaßnahmen werden durch ungelöste und neu entstehende Probleme bedroht, zum Beispiel durch:
- den demografischen Wandel hin zu einer alternden Gesellschaft (3)
- den Klimawandel und seine gesundheitlichen Auswirkungen (4)
- neue Epidemien (Übergewicht, psychische Erkrankungen, Verletzungen durch Gewalt)
- bestehende Epidemien wie HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria (5)
- steigende Kosten der Gesundheitsversorgung und
- die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise.

Es ist daher dringend erforderlich, eine globale Debatte darüber zu initiieren, wie diese Herausforderungen am besten gemeistert werden können. Zeitgleich mit ihrem 300-jährigen Jubiläum will die Charité – Universitätsmedizin Berlin in Partnerschaft mit der Université Paris Descartes diese Lücke füllen und organisiert den hochrangigen World Health Summit Charité Berlin, der unter dem Titel „Evolution of Medicine“ vom 15. bis 18. Oktober 2009 in Berlin stattfinden wird.

Dieses Ereignis bringt Forscher, Ärzte, führende Vertreter von Regierungen, internationalen Institutionen, der Industrie und von Nichtregierungsorganisationen zusammen, um die dringendsten Probleme in Angriff zu nehmen, mit denen die Medizin und die Gesundheitssysteme über die nächsten Jahrzehnte hinaus konfroniert werden.

Der World Health Summit in Berlin wird die erste einer Reihe von jährlichen Konferenzen sein, welche die Debatte fortführen und den Fortschritt dokumentieren werden. Das übergeordnete Ziel ist die Entwicklung von überzeugenden und zeitnahen Lösungen für eine bessere Gesundheit der Weltbevölkerung. Deutschland – wie auch andere europäische Staaten – hat es lange Zeit versäumt, internationale Gesundheitsfragen mitzugestalten – obwohl es gerade durch berühmte Pioniere wie Rudolf Virchow, Emil von Behring, Paul Ehrlich, Hermann von Helmholtz und Robert Koch hier in der Vergangenheit eine internationale Führungsrolle hatte.

Basierend auf der Tradition des 19. Jahrhunderts will Europa mit der Einrichtung des World Health Summits als führende internationale Konferenz in der Gesundheitsversorgung wieder eine Vorreiterrolle einnehmen. Der Berliner Medizingipfel hat eine starke politische Unterstützung: So steht die Veranstaltung 2009 unter der gemeinsamen Schirmherrschaft des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Um dem Projekt eine fundierte wissenschaftliche Grundlage zu verleihen, wurde ein internationales Netzwerk von medizinischen Fakultäten und Akademien, die „M-8-Allianz“, zusammengerufen. Dazu gehören:
- Charité – Universitätsmedizin Berlin
- Université Paris Descartes
- Kyoto University Graduate School of Medicine
- Peking Union Medical College and Hospital
- Imperial College, London
- Johns Hopkins University, Baltimore
- Monash University, Melbourne
- Interacademy Medical Panel (IAMP), das globale Netzwerk von 65 nationalen Akademien der Wissenschaften und der Medizin.
Der rasche Fortschritt der medizinischen Wissenschaft und Technik eröffnet enorme Möglichkeiten für die Diagnose, Therapie und Prävention von Erkrankungen; er hat das Potenzial, die globale Gesundheitssituation zu verbessern und merklich zu wirtschaftlicher Stabilität beizutragen.

In der Praxis jedoch sind die Mechanismen zur Umsetzung von Innovationen im Gesundheitswesen kaum in globalen Regierungsstrukturen verankert. Das riesige Potenzial des medizinischen Fortschritts ist bei Weitem noch nicht ausreichend ausgeschöpft. Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts wird darin liegen, sowohl klare Ziele und Verantwortlichkeiten zu definieren als auch die Investitionen für die Entwicklung und Nutzung neuer Technologien und medizinischer Innovationen zu sichern.

Das Deutsche Ärzteblatt ist Medienpartner
Stabile „public private partnerships“ und ein erneuertes politisches Engagement werden die Grundlage für die Innovationskraft und den wissenschaftlichen Fortschritt sein; sie sind von entscheidender Bedeutung, um neue Erkenntnisse zum Wohl der globalen Gesundheit umzusetzen. Es ist an der Zeit, in diesem Prozess eine Führungsrolle zu übernehmen: Der Berliner World Health Summit ist bereit, diesen Schritt tun.

Das Deutsche Ärzteblatt und The Lancet sind die Medienpartner des Gipfeltreffens. Dieser Artikel erscheint zeitgleich in beiden Journalen (6).
Dr. med. Mazda Adli, Charité
Dr. med. Sabine Kleinert, The Lancet
Prof. Dr. med. Karl M. Einhäupl, Charité
Prof. Dr. Axel Kahn, Université Paris Descartes
Prof. Dr. med. Detlev Ganten, Charité


Korrespondenzadresse:
Dr. med. Mazda Adli
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
10117 Berlin
E-Mail: mazda.adli@charite.de

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit0809
Anzeige
1.
Backman G, Hunt P, Khosla R et al.: Health systems and the right to health: an assessment of 194 countries. Lancet 2008; 372: 2047–85. MEDLINE
2.
Feachem R, Medlin C. Global public goods: health is wealth. Nature 2002; 417: 695. MEDLINE
3.
Binstock R. Our aging societies: ethical, moral, and policy changes. J Alzheimers Dis 2007; 12: 3–9. MEDLINE
4.
St Louis M, Hess J: Climate change: impacts on and implications for global health. Am J Prev Med 2008; 35: 527–38. MEDLINE
5.
Beaglehole R, Bonita R: Global public health: a scorecard. Lancet 2008; 372: 1988–96. MEDLINE
6.
Adli M, Kleinert S, Lafont A et al.: Shaping future health: Berlin Evolution of Medicine Summit. Lancet 2009; 373: 519–20. MEDLINE
1. Backman G, Hunt P, Khosla R et al.: Health systems and the right to health: an assessment of 194 countries. Lancet 2008; 372: 2047–85. MEDLINE
2. Feachem R, Medlin C. Global public goods: health is wealth. Nature 2002; 417: 695. MEDLINE
3. Binstock R. Our aging societies: ethical, moral, and policy changes. J Alzheimers Dis 2007; 12: 3–9. MEDLINE
4. St Louis M, Hess J: Climate change: impacts on and implications for global health. Am J Prev Med 2008; 35: 527–38. MEDLINE
5. Beaglehole R, Bonita R: Global public health: a scorecard. Lancet 2008; 372: 1988–96. MEDLINE
6. Adli M, Kleinert S, Lafont A et al.: Shaping future health: Berlin Evolution of Medicine Summit. Lancet 2009; 373: 519–20. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige