ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2009Betriebswirtschaft: Große Schwankungen
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Für die Berechnung des Zeitwerts einer Arztpraxis stehen über zehn Verfahren (darunter auch die Ärztekammermethode) zur Verfügung. Die Hauptschwäche der überwiegenden Anzahl dieser Verfahren ist die betriebswirtschaftliche Betrachtung der Praxis mit Blick auf die Ertragslage in der Vergangenheit . . . Es sei als Beispiel folgende Konstellation „aus dem richtigen Leben“ aufgeführt: Eine Facharztpraxis war vor drei Jahren (bei etlichen an der Nachfolge interessierten Ärzten) im freien Markt 90 000 Euro wert. Vor zwei Jahren (aufgrund der Praxisaufgabe eines Arztes der gleichen Arztgruppe wegen schwerer Erkrankung vor Ort) nur noch 50 000 Euro. Vor einem Jahr stieg der Marktpreis (wegen des Ankaufsinteresses eines örtlich ansässigen Krankenhauses für die Besetzung seines Medizinischen Versorgungszentrums) wieder auf 60 000 Euro an. Das Krankenhaus gab dann den Gedanken an die Gründung eines Medizinischen Versorgungzentrums auf, und deshalb fiel in diesem Jahr der Marktpreis der Praxis aufgrund der künftig zu erwartenden schlechten Ertragsaussichten bei ambulanten Leistungserbringern auf 30 000 Euro. Falls im nächsten Jahr in dieser Praxis Personal und (angemietete) Praxisfläche abgebaut werden müssen, kann der Praxiswert aufgrund der dann anfallenden Ablösesummen auch ins Negative abdriften. In den drei vergangenen Jahren hatte der Ertragswert der Praxis kaum nennenswerte Schwankungen ausgewiesen. Diese Fallbeschreibung legt überdeutlich dar, dass bei der Bewertung einer Praxis auch die Orientierung am (immer vergangenheitsorientierten) Ertragswert zu völlig falschen Rückschlüssen führen kann.
Dr. med. Karl-Jürgen Seez,
Fürst-Wilhelm-Straße 10, 72488 Sigmaringen
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