ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2009Jubiläumsausstellung: Kunstwerke von kreativen Ärzten

KULTUR

Jubiläumsausstellung: Kunstwerke von kreativen Ärzten

Meisner, Judith

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Wolfram Knöfler: „Unerwartete Materialisation“ Fotos: Hans-Peter Theurich
Wolfram Knöfler: „Unerwartete Materialisation“ Fotos: Hans-Peter Theurich
Alle zwei Jahre werden an wechselnden Orten Fotografien, Skulpturen sowie viel Malerei von Medizinern und medizinischem Fachpersonal ausgestellt.

Vor mehr als 20 Jahren trommelte der Allgemeinmediziner und Maler Peter Erdmenger aus Köthen seine künstlerisch tätigen Kollegen erstmals zusammen: Eine Gemeinschaftsausstellung war das Ziel. Unter dem Namen „Mediziner und Malerei“ finden seither alle zwei Jahre erfolgreiche Expositionen statt; seit 1990 mit Künstlern aus ganz Deutschland an wechselnden Orten.

Die Motivation der Künstler ist vielfältig: Einige Mediziner entspannen sich beim kreativen Schaffen als sogenannte Hobbykünstler. Aber mancher Arzt stellt an seine Werke den professionellen Anspruch eines Künstlers und hat eine entsprechende zweite Ausbildung. Im Berliner Medizinhistorischen Museum, in dem einst Robert Virchow seine Vorlesungen hielt, fand die Jubiläumsausstellung „Mediziner und Malerei“ statt. Ärzte und medizinische Mitarbeiter präsentierten Fotografien, Skulpturen sowie viel Malerei. Eines der Gemälde heißt „Unerwartete Materialisation“ von Wolfram Knöfler. Von kühlem Blautürkis umgeben, erscheint eine Art Fruchtblase mit angedeutetem, geborstenem Schädel, dessen Mund zu einem Schrei geöffnet ist. Blase und Kopf sind in ein Metallscharnier eingehängt, das wiederum mit einem Knochen verbunden zu sein scheint. Das surrealistische Gemälde erinnert an Werke von Dalí oder auch an Picassos „Guernica“, das 1938 vor dem Hintergrund des Spanischen Bürgerkriegs entstand.

Während viele Künstler sich neutralen Themen widmen, beschäftigt sich der Kieferchirurg Wolfram Knöfler mit Bildthemen, die aus dem medizinischen Alltag stammen könnten: Schmerzhafte Verzerrungen des Mundes und leere Augenhöhlen, Organisches wie Fasern oder kiemenartige Schlitze stehen fantastisch-technisch anmutenden Instrumenten gegenüber.

Größer könnte der Gegensatz zu den menschenleeren Wüstenlandschaften „Farbspiel in Soussusvlei“ in zwei Versionen von Heinrich Gröning kaum sein. Stilisierte Sanddünen reflektieren gleißendes Sonnenlicht oder sind in tief dunkelblauen Schatten gefallen: Sie lassen die heftigen Temperaturschwankungen in Wüstengebieten erahnen.

Heinrich Gröning: „Farbspiel in Soussusvlei“
Heinrich Gröning: „Farbspiel in Soussusvlei“
Streng figürlich geht Birgit Grassl, Medizinerin mit akademisch-künstlerischer Ausbildung, vor. Ihr Porträt mit dem Titel „Barcelona“ zeigt eine lesende Frau vor einem Hintergrund in kühlen und warmen Farbflächen. 40 Künstler zeigen ihre Werke, die meisten haben langjährige Erfahrungen in der Reihe „Mediziner und Malerei“. Zwölf Künstler-Mediziner aus der Berliner Charité wurden eingeladen, ihre Arbeiten erstmals in diesem Rahmen zu präsentieren. Damit ist die Idee, Kunstwerke von kreativ tätigen Ärzten auszustellen, an ihren Ursprungsort, der Berliner Charité, zurückgekehrt.
Judith Meisner
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